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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Ich bin dagegen!

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  25.11.2015  20:00 Uhr  Dt. OV  Angst essen Seele auf
 Mittwoch  02.12.2015  20:00 Uhr  Dt. OV  Liebe ist kälter als der Tod
 Mittwoch  09.12.2015  20:00 Uhr  Dt. OV  Martha
 Mittwoch  16.12.2015  20:00 Uhr  Dt. OV  Fassbinder

Rainer Werner Fassbinder zum 70.

"Papas Kino ist tot", so steht es geschrieben im Oberhausener Manifest, das 26 deutsche Regisseure 1962 aufsetzten, um mit dem Kino ihrer Vatergeneration Schluss zu machen. Ein Kino, das in einer Sackgasse gelandet war, das biedere Geschichten zur Unterhaltung erzählte, denen man die Deutschtümelei immernoch zur Genüge anmerkte.

Der Neue Deutsche Film war geboren. Eine Bewegung, in der sich junge Filmautoren sammelten, die eine neue und frische Art des Filmemachens propagierten. Individuelle Geschichten aufgrund subjektiver Erfahrungen sollten erzählt werden; streitbar, politisch-intellektuell und gerne auch nicht frei von Fehlern. Alte Erzählmuster wurden über den Haufen geworfen, das Konventionelle verschmäht.

Einer der wichtigsten Vertreter dieser an wichtigen Vertretern nicht armen Generation der 60er und 70er ist Rainer Werner Fassbinder.

Dessen Filme wurden immer auch von Kontroversen begleitet. Denn der Fassbinder war ein Bürgerschreck. Mit seiner Arbeit schuf er fortlaufende Provokationen, eine Anti-Kultur im Sinne einer permanenten Auflehnung gegen alles Etablierte. Wie er selbst sagte, er war „dagegen“. Gegen die Nachkriegs-BRD, gegen den Kapitalismus, gegen das Bürgertum, gegen die Linken, gegen Staaten, gegen Krieg, gegen Waffen u.v.m. So lesen sich dann auch seine Filme. Zunächst unkonventionell in Form und Inhalt, ganz im Stile des Neuen Deutschen Films, später dann auch eingängiger. Aber immer mit klarer Aussage, meist eben gegen den etablierten Mief der politischen und gesellschaftlichen BRD.

Und ein Grenzgänger war er: Als Regisseur ständig wandelnd zwischen sprudelnder Produktivität und krankmachendem Übereifer (44 Filme und TV-Serien in nur 16 Jahren). Im Zwischenmenschlichen ein Förderer und Inspirator mit unwiderstehlicher intellektueller wie erotischer Aura. Aber auch Tyrann, menschliches Ekel, der sogar seine treuesten Gefolgsleute triezte, weil er genau wusste, dass sie ihm zu Füßen lagen. Es gibt Thesen, die besagen, dass er in seinen nur 37 Lebensjahren das erlebte und umsetzte, was andere in acht Jahrzehnten nicht schaffen. Seinem Körper setzte er gegen Ende dann noch mit allerhand Drogen und Aufputschmitteln ordentlich zu. 1982 starb er völlig erschöpft in seiner Wahlheimat München, 2015 hätte er seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Zu Lebzeiten war das Publikum zwiegespalten. Die einen vor den Kopf gestoßen, die anderen jubelten. Heute sind sein Werk und seine Ideen unbestritten zentrale Entwicklungspunkte im internationalen Autorenfilm. Seine kathartische kreative Kraft verbunden mit seiner Art, sich ohne Rücksicht auf Verluste zu positionieren, sind in Deutschland bis heute unerreicht. Gäbe es ein filmisches Pendant zur Pflichtlektüre, Fassbinders Filme stünden auf dieser Liste ganz weit oben.

Wir werfen einen Blick darauf: Angst essen Seele auf (1974) gilt als das Standardwerk des deutschen Kinos und ist mit seinem Sujet Ausländerfeindlichkeit vs. Integration erschreckend aktuell. Sein erster Langfilm Liebe ist kälter als der Tod (1969) trägt stark die unverfälschte Handschrift des frühen Neuen Deutschen Films. Martha (1974) rechnet satirisch mit der bürgerlichen Ehe ab. Und zuletzt zeigen wir Euch die aktuelle Dokumentation Fassbinder (2014), in der seine engsten Weggefährten unterhaltsam ehrlich über die gemeinsame Zeit plaudern und das Bild des wahnsinnigen Genies konkretisieren.

»Die Gesamtheit des Werkes, das man hinterlässt, zählt, wenn man abtritt«, sagte Fassbinder einmal und nahm sich das selbst wie kaum ein zweiter zu Herzen. Machen wir uns ein Bild davon!

N.B.: Eine weitere Ikone des Neuen Deutschen Films ist Werner Herzog.

Text: Johannes Litschel

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