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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Auf dem Trip

Filme dieser Reihe:
 Montag  12.05.2003  20:15 Uhr    Vortrag: Drogen aus ethnologischer Sicht
 Mittwoch  14.05.2003  19:15 Uhr  OF  Traffic – Die Macht des Kartells
 Mittwoch  28.05.2003  19:45 Uhr    Der Höllentrip
 Mittwoch  04.06.2003  19:45 Uhr  OmU, s/w  Dead Man
Aus der immensen Flut von Sinneseindrücken, die ständig auf uns einprasseln, dringt nur ein verschwindend geringer Teil in unser Bewusstsein vor, aus dem wir uns ein Bild von unserer Umwelt bauen. Wir haben gelernt, nur die Informationen unserer Sinnesorgane zu verarbeiten, die auch für andere relevant sind; diesen kleinsten gemein-samen Nenner unserer Erfahrungswelt nennen wir Realität – und ohne diese Einschränkung wäre keine Interaktion mit unserer Umgebung denkbar.
Dennoch: Die Filter ein wenig zu öffnen, das Bewusstsein auszudehnen auf Eindrücke, die sonst schon im kognitiven „pre-processing“ ausgeblendet werden, erscheint als vielversprechende Möglichkeit, in neue Erlebniswelten vorzudringen. Zum Erreichen eines solchen Zustandes bedient man sich in den unterschiedlichsten Teilen der Erde psychoaktiver Drogen.
Die Flut von Bildern und Gedanken, die für eine begrenzte Zeit das überforderte Gehirn überschwemmt, ist Gegenstand so mancher exotischer Reiseberichte, wie etwa der Romane Naked Lunch von William S. Burroughs oder Fear and Loathing in Las Vegas von Hunter S. Thompson, dessen Verfilmung durch Terry Gilliam wir Euch im Rahmen dieser Reihe zeigen. Alice im Wunderland passt eigentlich auch dazu.
Jedenfalls haben Drogen immer irgendwas mit dem Zurücklegen langer Strecken zu tun, schon bevor sie ihren Endverbraucher überhaupt erreichen. Zum Thema des Drogenhandels zeigen wir Steven Soderbergh’s Traffic, in dem sich der Handel und Konsum als rein weltliches, soziales Problem darstellt. In Fear and Loathing, wie auch in Altered States (dt. Der Höllentrip) rückt das irdische Realitätsgefüge schon weiter in den Hintergrund, und die von den Protagonisten überschrittenen Grenzen liegen in ihnen selbst, bzw. jenseits von Gut und Böse.
Nun aber: Was hat Jim Jarmusch’s Dead Man in dieser Reihe zu suchen? Es gibt dort nur eine kleine Szene, in der ‚Nobody‘ sich unter Einfluss von Pilzen einen Einblick in die Geisterwelt verschafft. Die Hauptfigur Bill Blake bekommt nichts davon ab. Dennoch ist es Bill, der sich bereits auf einer tatsächlichen Seelenwanderung ins Jenseits befindet, wie sie sich Schamanen vom Drogengebrauch erhoffen. In diesem Film wird ein Weg beschritten, der vom festen Boden der Welt sich forthebt in den Dunst eines anderen Daseins, einen Zustand, den die Seele erreichen kann, nicht aber manipulierte Nervenzellen. So schließe ich mit einem Zitat des Anthropologen und Reiseschriftstellers Bruce Chatwin (1970):
"Drogen sind Vehikel für Menschen, die vergessen haben, was Wandern ist."

Text: Matthias Zabel, Dirk Zugenmaier

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