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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Im Western nichts Neues?!

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  13.01.2016  20:00 Uhr  En. OmU  Todeszug nach Yuma
 Mittwoch  20.01.2016  20:00 Uhr  DF  Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
 Mittwoch  27.01.2016  20:00 Uhr  En. OmU  Meek's Cutoff
 Mittwoch  03.02.2016  20:00 Uhr  Korean. OmU  The Good, The Bad, The Weird
Der Western gehört zu den traditionsreichsten und langlebigsten Genres in Hollywood. Als solches galt er lange Zeit als Sinnbild für Amerika an sich. Ob bei der Erschließung des Westens und der Erfüllung des amerikanischen Traum, oder auch nur beim Konzept des einsamen rechtschaffenen Cowboys, der nach vollbrachter Heldentat in den Sonnenuntergang reitet, der Western wurde seit jeher auch mit ideologischen Vorstellungen verknüpft, die sich im Laufe der Jahrzehnte parallel mit dem Film als Medium weiterentwickelt haben. Die Filme, die dabei herausgekommen sind, so meisterlich viele von ihnen auch inszeniert wurden, orientierten sich oft an stereotypen Konventionen und Handlungsmustern: Das finale Pistolenduell zwischen Cowboy und Bösewicht, schwingende Saloon-Türen, Zugüberfälle und der Ritt durch die endlosen Prärien gehören in den Western wie der Stern an den Sheriff und haben das Genre über Jahrzehnte hinweg definiert.

Doch was hat sich in letzter Zeit im Leinwand-Western getan? Seit der Ära von Sergio Leones großen Spaghetti-Western und dem "Mann ohne Namen" gab es über Jahrzehnte hinweg nur wenige nennenswerte Filme, die Interesse an dem Genre bekundet haben. Erst in den vergangenen zehn Jahren zog es die Filmemacher vermehrt zurück in die Prärie, darunter auch Kino-Legenden wie die Coen-Brüder und Quentin Tarantino. Eingeleitet wurde die Renaissance jedoch durch einige unbekanntere Filme, die sich dem wilden Westen auf erfrischend neuartige Weise nähern und beweisen, dass man alten Pferden manchmal eben doch neue Tricks beibringen kann. Der aka freut sich daher, dieses Semester einige moderne Western zeigen zu können, die auf die reichhaltige Genretradition aufbauen, und gleichzeitig mit einigen rostigen Konventionen brechen.

Den Einstieg macht James Mangolds Todeszug nach Yuma. Als Remake des gleichnamigen Klassikers von 1957 handelt es sich hier in vielerlei Hinsicht um den "traditionellsten" Western der Reihe, der jedoch mit seinen fantastisch inszenierten Actionsequenzen und der schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller nichts an seinem enormen Unterhaltungswert einbüßt.

Noch actionreicher geht es im südkoreanischen Beitrag The Good, the Bad, the Weird zu, der auf wahnwitzige Art und Weise beweist, dass Hollywood das Monopol am Western verloren hat. Voller intelligenter Hommagen an Genre-Klassiker kombiniert der Film stark stilisierte Action, coole Charaktere und einen einzigartigen schwarzen Humor. Das Ergebnis ist ein kurzweiliges – aber keineswegs stupides – Spektakel, das nicht nur für Western-Fans einen Pflichtfilm darstellt.

Obwohl Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford das Leben eines der berüchtigtsten Ganoven des wilden Westens thematisiert, geht es in diesem Drama eher ruhig zur Sache. Statt Banküberfällen und Schießereien stehen hier Charakterentwicklung und eine fast philosophische Ergründung der Mythisierung des wilden Westens im Vordergrund, der dank der fantastischen Kameraarbeit nie schöner eingefangen wurde.

Meek's Cutoff, der letzte Film der Reihe, bricht sogar noch mit einer der letzten alteingesessenen Westernkonventionen, der Darstellung einer patriarchischen Welt. Denn in ihrem Indie-Film inszeniert Regisseurin Kelly Reichhardt nicht nur eine bildschöne Odyssee entlang des Oregon Trails, sondern zeigt auch, dass Frauen im Western ihren rechtmäßigen Platz einnehmen können – auch außerhalb des Saloons.

Text: Paulo Holldack

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