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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Satoshi Kon

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  25.05.2016  20:00 Uhr  Jap. OmU  Perfect Blue
 Mittwoch  01.06.2016  20:00 Uhr  Jap. OmU  Tokyo Godfathers
 Mittwoch  08.06.2016  20:00 Uhr  Jap. OmU  Paprika

Das Spiel mit den Träumen

Satoshi Kon (1963 - 2010) ist einer der großen Filmemacher der letzten 20 Jahre. Selbst wenn man als westlicher Kinogänger noch keinen seiner Filme auf der großen Leinwand gesehen hat, sind einem seine Bilder bereits begegnet. In Filmen wie Black Swan oder Inception wird sein direkter Einfluss auf Hollywood-Schwergewichte wie Darren Aronofsky und Christopher Nolan deutlich sichtbar. In nur einem Jahrzehnt schuf er vier Spielfilme und eine Fernsehserie, bevor er verfrüht an Krebs starb.

Schon in seinem Erstlingswerk Perfect Blue (1997) sind die Themen deutlich erkennbar, die sein gesamtes Werk konsequent umspannen. So befassen sich alle seine Filme damit wie der moderne Mensch es schaffen kann, zwischen Realität und Traumwelt eine eigene Identität zu finden. Es geht ihm um unsere Existenz in der Welt, die Verbindung zu den Menschen, mit denen wir diese teilen, sowie die virtuellen Identitäten und Rollen, die wir kreieren um ihr zu entkommen.

So geht es in Perfect Blue um die Identitätskrise eines Pop-Idols, das mit den eigenen und den gesellschaftlichen Rollenvorstellungen ringt. Der bedrohliche Thriller vermischt meisterhaft die Realität der Protagonistin mit den obsessiven Erwartungen, die vom Publikum an sie herangetragen werden.

In Tokyo Godfathers, einer japanischen Weihnachtsgeschichte, geht es um drei Obdachlose, die ein ausgesetztes Baby zu seiner Mutter zurückbringen wollen. Auf ihrer Reise durch die Straßen Tokios werden alle drei immer wieder mit ihrer beschämenden Vergangenheit konfrontiert. Das gegenwärtige Leben wird einem Leben gegenübergestellt, das sie bereits hinter sich gelassen haben.

In Kons letztem Film Paprika scheinen sich alle Ideen und Themen zu einem visuellen Feuerwerk zu verbinden. In der Welt von Paprika möchten die Protagonisten durch "Dreamsharing" ihre psychologischen Traumata gemeinsam verarbeiten. Die ansonsten zivilisierten Menschen müssen sich mit ihren wilden und ungezähmten Traum-Personae auseinandersetzen.

Seine Themen bringt Kon mit einem visuellen Stil auf die Leinwand, der das gesamte Genre des Anime auf ein neues Niveau hebt. Kon nutzt alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel aus, um seine Welten realistisch zu vermitteln und den Betrachter in sie hineinzusaugen. Seine sensationellen Schnitte und Auflösungen versetzen uns immer wieder in die Lage der Protagonisten, die sich zwischen Traum und Wachen, zwischen Gegenwart und Erinnerung, zwischen Identität und auferlegtem Rollenbild zurechtfinden müssen. Nie kann man sich sicher sein, ob man wirklich sieht, was man zu sehen glaubt. Am Besten überlässt man sich einfach dem meisterhaften Spiel des Regisseurs mit den Träumen seiner Figuren, in der Gewissheit, dass man in guten Händen ist.

"But after going back and forth between the real world and the virtual world, you eventually find your own identity through your own powers" - Satoshi Kon

Text: Christian Iannarone

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