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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

German Mumblecore

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  26.10.2016  20:00 Uhr  Dt. OV  Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel
 Mittwoch  02.11.2016  20:00 Uhr  Dt. OV  Staub auf unseren Herzen
 Mittwoch  09.11.2016  20:00 Uhr  Dt. OV  Liebe mich!
 Mittwoch  16.11.2016  20:00 Uhr  Dt. OV  Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste
Mumblecore"Gerne Schublade – machen wir ein bisschen Ordnung in der Filmlandschaft!", sagte Jakob Lass vor einiger Zeit in einem Gespräch im Filmmuseum Frankfurt und bezog sich dabei auf das Einsortieren seines Films Love Steaks in die Schublade Mumblecore. Das Etikett wurde 2005 in den USA geprägt und bezieht sich ursprünglich auf die schlechte Tonqualität einiger Do-it-yourself-Produktionen, bei denen laut einem der Toningenieure eben nur noch Genuschel hörbar sei. Seitdem ist eine ganze Reihe von Filmen unter diesem Label entstanden, deren bekanntester wohl Frances Ha von Noah Baumbach ist. Vom German Mumblecore wird seit etwa 2009 gesprochen, um einige Filme zusammenzufassen, die im Umfeld der beiden Berliner Filmhochschulen entstanden. Love Steaks, den wir bereits vor zwei Jahren im Programm hatten, ist der bislang erfolgreichste von ihnen.

Zu konstatieren ist zunächst, dass die Filme des German Mumblecore einige Unordnung in die deutsche Filmlandschaft gebracht haben, denn ihr waghalsiger Einsatz von Improvisation passte zunächst gar nicht ins Konzept der Fördergremien. Die Drehbücher sind bloß grobe Skizzen und enthalten keine ausgeschriebenen Dialoge; es gibt meist nur wenige Schauspieler am Set und viele Szenen werden semidokumentarisch mit Laien gedreht. Die ersten Filme entstanden ganz ohne Förderung und mit minimalem Budget. Inzwischen sind es ihrer fast fünfzig, die teilweise auch mit mehr Geld produziert wurden – eine gar nicht mehr so kleine Bewegung in der deutschen Filmlandschaft. Soweit die Einordnung.

Das Verhältnis von Ordnung und Unordnung ist noch in anderer Hinsicht von Bedeutung für den German Mumblecore. „Regeln sind Freiheit“ heißt es in FOGMA, einem der beiden Manifeste, die im Zusammenhang mit den Filmen veröffentlicht wurden. Ein klarer selbstgesteckter Rahmen, der etwa die Drehzeiten regelt und die Mittel beschränkt (z.B. Verzicht auf künstliches Licht und Maskenbild), soll den Raum öffnen für das Unberechenbare und Spontane. Diesem zu folgen ist dann oberstes Gebot. Die Intuition wird von Axel Ranisch in seinem Sehr gute Filme-Manifest zum wichtigsten Werkzeug erklärt.

Von den vier Filmen dieser Reihe ist nur Liebe mich! mit explizitem Bezug auf eines der Manifeste entstanden, doch beruhen sie alle auf einer ähnlichen Arbeitsweise. Außerdem ist ihnen gemein, dass sich Komödie und Tragödie in ihnen ganz nah sind, was dann wiederum ganz nah am Alltag ist. Überhaupt werden im German Mumblecore eher unspektakuläre und kleine Geschichten erzählt, die durch die Improvisation den besonderen Schuss Lebendigkeit bekommen. Schließlich ist die Normalität immer schon aufregend, wenn sie nur nicht normiert wird.

In seinem Buch Deutschpop halt’s Maul! spricht Frank Apunkt Schneider in Bezug auf die Form des Poptextes von „Intensitätsplateaus, bei denen ein bestimmtes Wort viel wichtiger sein konnte als der Satz, in dem es stand. Seine Bruchstückhaftigkeit verweigerte jene Kommunikation, die für Habermas immer schon ‚durchherrscht‘ sein sollte und den Kids einen Dialog aufnötigen wollte, bei dem sie nur verlieren konnten.“ Das passt auch gut auf den German Mumblecore. Die Filme verweigern sozusagen in der Improvisation den Dialog mit den herrschenden Redakteuren und gewinnen dadurch eine neue bezaubernde Freiheit zwischen den Stühlen.

Text: Max Becker

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