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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Takeshi Kitano

Filme dieser Reihe:
 Freitag  18.11.2016  20:00 Uhr  Jap. OmU  Sonatine
 Freitag  25.11.2016  20:00 Uhr  Jap. OmU  Dolls
 Freitag  02.12.2016  20:00 Uhr  Jap. OmeU  Kids Return
 Freitag  09.12.2016  20:00 Uhr  Jap. OmU  Hana-Bi
Im Jahre 1999 hatten viele Deutsche eine gar befremdliche Begegnung: Auf dem Fernsehsender DSF (für die Jüngeren: So hieß SPORT1, als es noch Zuschauer hatte) lief eine skurrile Show aus Japan an, in der eine Horde verrückter Kandidaten versuchte, eine Reihe vorwiegend matschiger und nasser Parcours zu überwinden, um das Schloss des Fürsten Takeshi zu erobern. Dieser verteidigte sein Anwesen mit Wasserpistolen aber heldenhaft. Für viele Deutsche dieser Generation war dieser Erstkontakt mit Takeshi's Castle prägend für das Bild der japanischen Unterhaltungskultur.


Schlossherr und Schöpfer der Fernsehshow war Takeshi Kitano. Nun fragen sich sicher manche, warum ein Uni-Kino so jemandem eine Reihe widmen sollte. Nun, Kitano macht nicht nur Fernsehen. Er macht ALLES. Er ist Comedian, Schriftsteller, Schauspieler, Dozent, Maler, Dichter, Moderator und nicht zuletzt eben auch Regisseur. Das Multitalent ist aber nicht irgendein Regisseur. Vielmehr gehört er zu den wichtigsten und erfolgreichsten Gegenwartsregisseuren in Japan. 1997 gewann er zudem mit seinem Film Hana-bi den Golden Löwen des Filmfestivals von Venedig und rückte das japanische Kino, das nach der goldenen Ära der 1950er und 1960er Jahre international immer mehr an Bedeutung verloren hatte, wieder in den Fokus der (westlichen) Öffentlichkeit.


Filme decken einen weiten Themen- und Genrebereich ab, besonders gerne beschäftigt er sich jedoch mit den Yakuza, der japanischen Mafia. Überraschenderweise sind seine Filme aber keine Gewaltorgien. Viele seiner Werke sind zwar zumindest auf den ersten Blick Gangsterfilme, in denen es auch durchaus mal hart zur Sache geht. Doch ihre eigentliche Stärke ist die Charakterzeichnung. Kitano verwendet viel Zeit darauf, seine Figuren von allen Seiten zu betrachten, ihnen nahe zu kommen und ihr Denken und Handeln erfahrbar zu machen. Anhand ihrer Schicksale legt er die Poesie und Tragik ihrer Leben dar.


So zeigt der erste Film der Reihe, die der Gangsterballade Sonatine, den Alltag einer untergetauchten Gruppe Yakuza, die langsam zu Freunden werden, bevor ihre Taten sie einholen. Im Episodenfilm Dolls verwebt Kitano gleich drei Handlungsstränge miteinander, die jeweils ein Paar zeigen, das unter ganz besonderen Umständen zusammengefunden hat. Das ist sein visuell wohl beeindruckendster Film und eine Mediation über menschliche Beziehungen in schweren Zeiten. Kids Return schildert die Geschichte zweier Jugendlicher, die beide den Trott ihrer Schule verlassen, um ihr Glück zu finden, einer als Boxer, der andere als Yakuza. In Hana-bi, dem krönenden Abschluss der Reihe, droht ein Polizist an der Gewalt seines Berufs und der Trostlosigkeit seines Lebens zu verzweifeln. Um dem zu entkommen, überfällt er eine Bank und reist mit dem Geld mit seiner kranken Frau durch Japan. Es sind absonderliche kleine Geschichten, die Kitano uns vorsetzt. Jede ist die Reise in eine fremde Welt (womit nicht Japan gemeint ist), eine Reise, von der man mit vielen Erfahrungen zurückkehrt und die im besten Falle viele neue Eindrücke beschert.

Text: Sebastian Petznick

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