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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Frederick Wiseman - Antlitz der Zeit

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  24.11.2016  20:00 Uhr  En. OV  In Jackson Heights
 Donnerstag  01.12.2016  20:00 Uhr  En. OmU  National Gallery
 Donnerstag  08.12.2016  19:00 Uhr  En. OV  At Berkeley
 Donnerstag  15.12.2016  20:00 Uhr  En. OV  Meat
Als Chronist und Porträtist der westlichen Welt wird Frederick Wiseman bezeichnet. Einer der wichtigsten und stilprägendsten Dokumentarfilmer ist er zweifellos. In fast fünfzig Jahren Filmschaffen hat er über vierzig Filme realisiert und ist seinem Stil dabei immer treu geblieben. Wisemans Filme zeichnen sich durch ihre scheinbare Objektivität aus, es gibt keine Soundtracks, keine Narration durch eine Voiceoverstimme, allein die Bilder und die natürlichen Geräusche die von der Kamera aufgezeichnet werden sind zu sehen und zu hören.

In einer Zeit von immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen und beschleunigten Medien wirken die überdurchschnittlich langen Filme exotisch. Der Zuschauer muss selbst bewerten, was ihm da angeboten wird und sich bewusst sein, dass ein Dokumentarfilm nie neutral ist, die Anordnung und Auswahl des Filmmaterials ergibt eine eigene Bildersprache. So lassen sich die Werke Wisemans auch als Kommentare lesen, Kommentare über die großen Institutionen unserer Gesellschaft. Mit diesen beschäftigt sich der mittlerweile 86-jährige Wiseman, der nebenbei auch Dozent am M.I.T. und in Harvard ist, nämlich seit Jahrzehnten. Die Filme reflektieren das demokratische System, zeigen Theorie und Wirklichkeit, Zusammenhänge von den Idealen staatlicher und gesellschaftlicher Organisation, dem praktischen Zusammenleben der Individuen im Kollektiv.

In seinem letzten Film, In Jackson Heights, betrachtet Wiseman die multikulturelle Nachbarschaft in dem bekannten New Yorker Stadtviertel, dabei werden auch Probleme von Integration und Gentrifizierung deutlich. Zuvor beschäftigte sich Wiseman mit der Londoner National Gallery und in At Berkely, wird ein Blick auf die Abläufe in der berühmten californischen Universität geworfen. Um auch einen Einblick in das frühere Schaffen des Regisseurs zu geben wird in dieser Reihe außerdem Meat gezeigt, eine Dokumentation aus den Siebzigern, die den Weg vom Tier zum Produkt in der industriellen Fleischproduktion zeigt. Dass die unkommentierten Filme Wisemans in den USA immer wieder zu gesellschaftlichen Debatten führten - bis hin zur Zensur – zeigt, wie stark diese Bilder wirken können, die ihre eigene Sprache finden. Gleichzeitig bleibt die Abbildung der Institutionen zeitlos und lädt immer wieder zur Neuinterpretation und Beschäftigung damit ein, wie Idee und Realität vereinbar sind.

Text: Benjamin Peterle

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