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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Painted Nightmares

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  29.11.2016  20:00 Uhr  En. OmU  Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH
 Dienstag  06.12.2016  20:00 Uhr  En. OmU  Charlie – Alle Hunde kommen in den Himmel
 Dienstag  13.12.2016  20:00 Uhr  En. OmU  Wenn der Wind weht
 Dienstag  20.12.2016  20:00 Uhr  En. OmU  Das letzte Einhorn
Unsere Popkultur scheint süchtig zu sein - und zwar nach ihrer eigenen Vergangenheit. In den letzten zehn Jahren bestanden 74 von 100 der umsatzstärksten Filme in den USA entweder aus Remakes, Fortsetzungen oder Adaptionen von Büchern, Comics, Computerspielen usw. Das Publikum mag nichts so sehr wie das Vertraute und blickt wehmütig in die Vergangenheit zurück, als wäre es ständig auf der Suche nach dem Kick des „Ersten Mals“. Wie ein Junkie, der mit jedem Hit aufs Neue versucht diesen einen Trip wiederherzustellen, der ihn damals direkt in eine andere Stratosphäre befördert hat.


Wenn dem so ist, dann heißt der Stoff aus dem die Träume des Erfolgskinos heute hauptsächlich gemacht werden: Nostalgie. Und dieser wird an keinem Ort in solcher Opulenz produziert wie in Hollywood. Das Alte wird nirgends so zauberhaft in das Neue verwandelt wie in der Traumfabrik von einst, die unlängst zum weltgrößten Recyclinghof geworden zu sein scheint.


Vor allem Disney ist groß im Wiederverwerten. Damals waren es Grimms Märchen, heute sind es entweder die eigenen (Die Schöne und das Biest) oder eingekaufte Titel (Star Wars oder das Marvel-Universum, die dem Publikum wieder und wieder serviert werden, bis zur kollektiven Überdosis. Das mag einem nicht gefallen und dennoch fällt es schwer dem Reiz des Vertrauten nicht auch einmal nachzugeben.


Diese Reihe versucht dies, indem sie Animationsfilme aus den 80ern zeigt, die einen eigenen Anspruch auf Originalität in sich tragen, abseits von Disney produziert wurden und einem Kind dieser Zeit gelegentlich einen solchen Schrecken einjagen konnten, dass dieser noch 20 Jahre später wohlige Schauer verursacht. Also: Nostalgie ja, aber ungestreckt - der pure Stoff mit gelegentlichen Horrortrips.


Sei es nun die Harpyie aus Das letzte Einhorn, die Eule aus Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH, die schrecklichen Visionen der Hölle von Charlie in Charlie – Alle Hunde kommen in den Himmel oder die durchweg düstere Apokalypse aus Wenn der Wind weht, in allen Filmen verbirgt sich ein Schrecken, den man nicht so leicht vergisst. Doch es sind nie nur die einzelnen Figuren oder für sich genommen Szenen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es ist stets die oft ungewöhnliche Atmosphäre des Gesamtwerks, in das sie eingebettet sind: Der künstlerischen Anspruch der Animation, die detailreichen düsteren Hintergrunde, die großartige Musik oder die brillanten Sprecher-Darbietungen. Diese Filme entstanden alle im Glauben, dass Animation im Kino mehr erzählen kann als das damals durch Disney und Co. propagierte „… und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“. Tiere und Zauberwesen sind hier nicht als nur niedlichere Versionen von Menschen und so mancher Erziehungsberechtigte musste sicher erkennen, dass diese Filme nicht dafür gedacht sind den nervigen Nachwuchs ruhigzustellen, in dem man ihn vor der Nachmittags-Glotze parkt.

Genießen wir hier also ganz ohne Scham die Nostalgie, der seltenen Originalität im Zeichentrick-Film, bevor man sie uns als Remake, ungewollte Fortsetzung, überlange Serie oder Musical (!) bis zur Unkenntlichkeit verwässert vorsetzt.

Text: Christian Iannarone

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