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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Home Invasion

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  30.11.2016  20:00 Uhr  En. OmU  The Bling Ring
 Mittwoch  07.12.2016  20:00 Uhr  Jap. OmU  Visitor Q
 Mittwoch  14.12.2016  20:00 Uhr  Dt. OV  Funny Games
 Mittwoch  21.12.2016  20:00 Uhr  En. OmU  Kevin – Allein zu Haus
Wer hat denn keine Angst vor einem Einbruch? Angst davor, dass geliebtes Eigentum gestohlen wird. Aber auch Angst davor, dass da plötzlich eine fremde Person im Eigenen steht. Wie man es aus Horrorfilmen kennt: Ein Schatten neben der Tür. Ja, gerade in Freiburg, einer der kriminellsten Städte Baden-Württembergs, kann einem schon unwohl werden. Das Düstere, Bedrohliche zu verschweigen, hat aber nie geholfen, besser man konfrontiert sich damit. Am besten geht das natürlich über die Kunst, über den Film, der sich dem Thema Einbruch schon auf verschiedene Arten angenommen hat: Mal clever, mal grotesk, mal verstörend, mal lustig. Jedem Adjektiv also ein Film – das ist das Motto dieser Reihe, denn ein so grundlegendes Thema kann man divers interpretieren. Das zeigt uns das Kino.


Ja, man muss sich nicht zwingend fürchten, man darf auch fasziniert sein. Sofia Coppola (Lost in Translation) jedenfalls verhehlt ihre Faszination nicht. Sie nimmt sich in The Bling Ring eines wahren Falles an: Jugendliche, die 2008-2009 in Hollywood-Villen einbrachen, um der Lebenswelt der Stars nahe zu sein. Ohne großen Aufwand gelang es ihnen, Kostbarkeiten von Stars wie Paris Hilton, Megan Fox oder Lindsay Lohan zu stehlen. Coppola erzählt aus deren Perspektive und mit popkulturellem Gespür, wie Fashionhype zu Kriminalität wird. Erstaunlich und ein wenig irritierend, wie lässig dort alles wirkt.


Eher irritierend als lässig und damit schon näher an der Bedrohlichkeit zeigt sich Takashi Miikes Groteske Visitor Q. Hier wird aus der Perspektive der Einbruchsopfer erzählt, was jedoch kaum zu Sympathien führt, denn die Familie, die hier von einem fremden Besucher heimgesucht wird, ist vollkommen gestört. Entsprechend flott eskalieren die Ereignisse. Kein schweres Spiel für den Kriminellen. Oder wer ist hier eigentlich kriminell?


Eine deutlichere Täter- und Opfertrennung gibt es dann bei Michael Haneke, der in seinem berüchtigten Funny Games zwei asozial-spielwütige Jugendliche auf eine harmlose Urlaubsfamilie treffen lässt. In nüchterner, wenn auch doppelbödiger Inszenierung zeigt Haneke den unmerklichen Einbruch (!) des Gewalttätigen ins Alltägliche. Hier ist alles zu Beginn noch äußerst normal, weder verrückte Teens noch dysfunktionale Familien, aber damit ist schnell Schluss.


Danach braucht es natürlich Besinnlichkeit, Friede und Hoffnung, man will die Welt ja nicht bloß als Jammertal sehen. Die Weihnachtstage sind dafür natürlich die beste Zeit. Nur ist diese Reihe nicht unbedingt auf Besinnlichkeit aus, also darf es auch gerne krachen. Aber keine Sorge, denn es wird lustig – mit Chris Columbus‘ All-Time-Classic Kevin – Allein zu Haus! Der kleine Kevin, der hier von zwei Einbrechern in seiner Weihnachtsfreude gestört wird, sollte wohl das Opfer sein, aber mit seiner aberwitzig aggressiven Art setzt er sich derb zu Wehr. Man könnte ja fast Mitleid mit den Tätern haben.


Ja, da zeigt sich schon, dass in dieser Reihe gar nichts allzu klar ist, denn zwischen Tätern und Opfern kann es viele Beziehungen geben und nicht jeder Einbrecher plant das mit ein. Chaos und Unvorhergesehenes sind in jeglicher Hinsicht garantiert, denn originell sind alle Filme. Und warum nicht? Welcher Einbruch ist schon normal?

Text: Fabian Lutz

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