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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Das Böse im Kind

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  10.01.2017  20:00 Uhr  Fr. OmU  Und erlöse uns nicht von dem Bösen
 Dienstag  17.01.2017  20:00 Uhr  En. OmU  We Need to Talk About Kevin
 Dienstag  24.01.2017  20:00 Uhr  En. OmU  Der Exorzist
 Dienstag  31.01.2017  20:00 Uhr  En. & Sp. OmU  Ein Kind zu töten…
Eine Reihe über das Böse im Kind muss zwangsläufig kontrovers sein. Wenn man irgendwo nach dem Bösen sucht, dann doch bitte nicht im Kind. Stattdessen gibt es doch so viele andere Orte, die eher in Frage kommen: Die Medien, die Politik, Kriege, Gier, die AfD. Aber das Kind sicher nicht, denn das Kind ist die Unschuld. Wer glaubt, dass das Kind böse ist, der glaubt doch die fatale Erkenntnis, dass auch die Natur böse ist, von sich aus. Denn das Kind ist der Ursprung, das ungetrübte Wasser, das unbeschriebene Blatt. Erst wenn Medien, Politik und Gier kommen, kann es getrübt, bekritzelt, negativ beeinflusst werden, aber zuvor bleibt die reinste Unschuld. Oder?


Diese Reihe möchte sich der schwierigen Idee annähern, dass da doch etwas anderes sein kann, etwas Böses, Sadistisches, vielleicht sogar Grundloses. Man kennt es ja aus Horrorfilmen, dort sind böse Kinder äußerst prominent. Ein Genre, das auf das Böse setzt, das in unsere heile Welten einbricht, sucht sich natürlich das Reinste, Unberührteste, um das es dann schrecklich zu verfremden. Was dabei am meisten schockiert: Dass es so schnell gehen kann. Der Erwachsene steht also da und muss ohne greifbare Rettungsmöglichkeit mit ansehen, wie sein Konzept der reinen Natur zusammenbricht


Gerade der erste Film Und erlöse uns nicht von dem Bösen zeigt, wie es der Erwachsenenwelt ergeht, wenn zwei Mädchen aus dem klösterlich-reglementierten Umfeld ausbrechen, um die zivilisierte Welt auf ihre Triebe herunterzubrechen. Gerade die kindlich-unverstellte Sexualität, der Lolita-Look helfen ihnen dabei, sodass am Ende die große Frage der Reihe steht, ob es nicht doch die Erwachsenen waren, die ihre Kinder dorthin gebracht und dann ausgebeutet haben. So stellt sich diese Frage auch in We Need to Talk About Kevin in dem eine Mutter begreift, dass sie ihr Kind nicht lieben kann und dass ihr Kind sie hasst. Von Anfang an. Was bedingt sich hier also oder ist da wirklich von Beginn an etwas Böses, das man nicht begreifen oder kontrollieren kann?


Gerade im Kontext der Religion kann dies schockieren. Das zeigt Der Exorzist. Das reine Kind wird hier zum Sprachrohr einer teuflischen Gewalt, benimmt sich nicht mehr brav und liebesuchend, sondern spuckt eklige Substanzen, flucht auf derbe Weise. Die Mutter verzweifelt und auch die Kirche ist verwirrt.


Der Abschlussfilm der Reihe wendet sich schließlich der Reaktion der überforderten Erwachsenenwelt auf unkontrollierbare, böse Kinder zu. Der schon vom Titel her hochkontroverse Ein Kind zu töten... zeigt zwei tatsächlich ziemlich unschuldige Erwachsene, die sich bösartig-gewalttätigen Kindern gegenüberfinden und abwägen müssen, ob man in dieser Welt noch von dem Schutz des Unschuldigen sprechen kann oder nicht eher die Selbstverteidigung üben sollte, um zu überleben. Eine fatale Wendung: Ein Kind zu töten. Hier sind alle Koordinaten verdreht, der Höhepunkt dieser kontroversen Reihe erreicht.

Text: Fabian Lutz

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