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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Bela Lugosi’s Dead

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  05.11.2002  20:00 Uhr  DF  Begierde
 Mittwoch  06.11.2002  20:00 Uhr  OmU, s/w  The Addiction
 Donnerstag  07.11.2002  19:30 Uhr  OmU  Blade
Seit Max Schreck in Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens (1922) und Bela Lugosi in Dracula (1931) Angst und Schrecken verbreiteten, indem sie arglosen Menschen die Lebenssäfte aussaugten, sind hunderte Vampirfilme gedreht worden. Neben dem klassischen Vampirfilm haben sich eine ganze Reihe von Vampirfilmsubgenres und Crossovers mit anderen Genres gebildet: Vampirkomödien/-persiflagen wie z.B. Roman Polanskis Tanz der Vampire, Frankenstein-Dracula-Crossovers, aber auch Vampirwestern, Vampir-Sciencefiction- und Vampir-Sexfilme. Wie der Vampir sich durch das Blut seiner Opfer erhält, so hat sich der Vampirfilm begierig auf andere Genres gestürzt und frische Ideen aufgesaugt.
Neben der Bluttransfusion durch Genremix gibt es auch Vampirfilme, die das klassische Setting der düsteren transsylvanischen Burgen verlassen und den adligen Blutsauger in die heutige Zeit zu übertragen versuchen. Im Vampirfilm kann sich so die jeweilige Zeit mit ihrem Lebensgefühl widerspiegeln und dies auf zweierlei Art: Zum einen kann er den Vampir in ein anderes Setting einbetten. In Dracula jagt Mini-Mädchen (1972) wird beispielsweise der Vampir durch die Okkultismus-Spielereien von überdrehten Hippie-Girls aus dem Sarg erweckt. Auch in den drei Filmen unser Reihe ist das Setting nicht das klassische: Begierde, Addiction und Blade spielen alle in der amerikanischen Großstadt schlechthin, in New York, genauer im New York der 80er und 90er Jahre.
´Diese drei Filme konzipieren aber auch Vampirsein neu. Begierde spielt in der sterilen unterkühlten Discokultur der 80er. Ist der klassische Vampirfilm von heterosexuellem Begehren bestimmt, bricht Begierde mit dieser Tradition: Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Vampirin und neuer Gefährtin. Die Besetzung des männlichen Charakters mit der androgynen Kunstfigur David Bowie unterstreicht dieses Aufbrechen herkömmlicher Geschlechterstrukturen im Vampirfilm. Ein zweiter Interpretationsansatz nimmt die Gegenüberstellung von Vampirwelt und normaler Welt in den Blick: Die Vampire stehen für die alte Hochkultur, mithin für Europa, während die normale Welt Amerika verkörpert. In The Addiction steht der Blutdurst als Verführungskraft des Bösen im Mittelpunkt. Das Vampirgenre wird zum Ausgangspunkt einer Reflexion über die Faszination des Bösen genommen. In Blade schließlich verbindet sich das Vampirgenre mit der Partykultur der 90er. Vampirismus ist Lifestyle. Der Film verdoppelt den Vampirismus: Es gibt die alten traditionellen Vampire, die sich aristokratisch-elitär im Hintergrund halten möchten und eine vampirische Jugendbewegung, die sich anschickt das Vampirtum zum Pop-Mainstream zu machen. Vampirismus ist beides: Establishment und Revolte.
In dunklen Novembernächten geht also in den aka und schaut Euch die schaurigen und doch anziehenden VampirInnen an, die über die Wand des 2006 huschen. Und wer weiß: Vielleicht huscht in tiefer Nacht auch durch die Gassen Freiburgs eines jener Geschöpfe der Nacht... glücklich der, der dann eine Knoblauchzehe zur Hand hat oder einen Döner zu Abend aß.

Text: Timothy Simms, Deniz Erol

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