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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Neuer europäischer Animationsfilm

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  03.05.2017  20:00 Uhr  Fr. OmU  Mein Leben als Zucchini
 Mittwoch  10.05.2017  20:00 Uhr  stumm  Die rote Schildkröte
 Mittwoch  17.05.2017  20:00 Uhr  En./ Gäl. OmU  Die Melodie des Meeres
 Mittwoch  31.05.2017  20:00 Uhr  Fr. OmU  Ernest & Célestine
Von Portugal bis Finnland, von Großbritannien bis Ungarn wird in Europa Jahr um Jahr umwerfende Filmkunst geschaffen, die internationale Filmfestivals und Filmpreise rockt. Doch kommt das am Ende auch auf der heimischen Leinwand, beim Publikum an, wo Filme "hingehören"? Laut dem europäischen Filmtheater-Netzwerk Europa Cinemas, durchaus. Doch sind es ganz überwiegend die eigenen Filme, die es auf die nationalen Leinwände schaffen: Britische Filme nach Großbritannien, deutsche Filme wollen höchstens die Deutschen sehen und allenthalber die französische "Arthouse"-Komödie scheint regelmäßig auch zu den europäischen Nachbarn zu schwappen.

Ein besonders schweren Stand scheint dabei der animierte Film zu haben, der oft in gemeinsamer Produktion mehrerer europäischer Länder entsteht. Ein Grund mag die überragende Dominanz großer Studios in Übersee sein. Pixar und Dreamworks, daneben Laika, produzieren am Band mal mehr, oft weniger gelungene Filme in eindimensionaler Bildästhetik nach ähnlichem Schema, die schließlich trotz verheißungsvoll bunter Nominiertenliste stets den Oscar für den besten Animationsfilm einsammeln. Am anderen Ende ist noch das japanische Studio Ghibli weltberühmt, das seit dreißig Jahren liebenswerte Filmklassiker erschafft. Und Europa? Dort jedenfalls werden viel und gern Animationsfilme geschaut: Von den Top Five der erfolgreichsten Filme des vergangenen Jahres allein in Deutschland waren drei Animationsfilme – alle aus dem Hause Pixar. Dabei ist die Produktion von europäischen Filmen auch im Bereich der Animation nicht das Problem – innovative Köpfe und gefüllte Förderkassen sind vorhanden, wie diese Reihe ausgewählter Filme zeigt.

Trotz des typisch hohen Aufwands einer Filmproduktion, was insbesondere für den Animationsfilm gilt, sind die Techniken hier ganz besonders vielfältig und mitunter sehr einfach anmutend: Fotografiert, getuscht, gezeichnet, collagiert, geknetet und computeranimiert, Sand auf Glas und rotoskopiert – von Skladanowskis Daumenkino und Eadweard Muybridge Serienfotografie bis zu Terry Gilliams Legetricks für Monty Python ist die Animationstechnik von der Wiege des Films - in Europa - an dabei. Den ältesten bis heute erhaltenen animierten Langfilm, die Silhouetten-Animation Die Abenteuer des Prinzen Achmed von Lotte Reiniger, haben wir euch im letzten Semester zum Abschluss präsentiert. Und so bietet diese Filmtechnik eine besonders große Spielwiese für filmische Experimente.

Dabei wird animierte Filmkunst heute überwiegend für jene gemacht, die zu viel Zeit und stets 'ne Mark fuffzig im Beutel haben: Kinder. Und ebenso oft werden sie dabei intellektuell nicht gerade überfordert und das Medium Film als bloß lustige, moralisierende Trickkiste gering geschätzt. Filme, die sich an Kinder richten, aber einerseits ästhetisch einmalig und andererseits thematisch so furchtlos universell sind, dass sie auch große Cineasten mindestens staunen, jedenfalls aber nachdenken lassen, scheinen selten, und doch findet man sie gerade in Europa. Das Debüt des Schweizers Claude Barras Mein Leben als Zucchini etwa feierte erst jüngst großen Erfolg; der wunderschöne, melancholische Film Die Melodie des Meeres aus Irland sowie der klassisch gezeichnete französische Film Ernest & Célestine waren zuvor seine Wegbereiter.

An den vier Filmabenden dieser Reihe werden jeweils ein ausgewählter Kurz- sowie Hauptfilm aus insgesamt elf europäischen Ländern präsentiert: Frankreich, Schweiz, Finnland, Belgien, Niederlande, Großbritannien, Irland, Dänemark, Luxemburg, Deutschland und Portugal. Insbesondere Frankreich und Belgien tun sich dabei auch in filmischen Umsetzungen stets hervor, in jenen Ländern also, in denen auch Comics fester Bestandteil des "ernsten" Kunstbetriebes sind. Das jeweilige Animationsfilmschaffen soll dabei keinesfalls protektionistisch voneinander abgegrenzt werden. Die Erfolge und Erfahrungen des Studio Ghibli beispielsweise standen Pate nicht nur für einen klassischen Zeichenstil von Ernest & Célestine, sondern das Studio co-produzierte zuletzt sogar erstmals mit europäischen Partnern zusammen: das hoch gelobte Langfilmdebüt des niederländischen Oscarpreisträgers Michaël Dudok de Wit Die rote Schildkröte. Und so werden jene Filme auch häufig vom wichtigsten Filmfestival der Welt, dem Festival de Cannes, im Herzen von Europa, für die große Weltbühne der cinephilen Aufmerksamkeit entdeckt. Den Sprung schließlich auf die heimische Kinoleinwand für diese Filme zu schaffen, dazu soll diese Reihe beitragen.

Text: Antje Lossin

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