aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

OVERKILL

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  29.06.2017  19:00 Uhr  En. OmU  Crank
 Donnerstag  29.06.2017  21:00 Uhr  En. OmU  Crank 2: High Voltage
 Donnerstag  06.07.2017  20:00 Uhr  En. OmU  Shoot ’Em Up
 Donnerstag  13.07.2017  20:00 Uhr  DF  Wanted
 Donnerstag  20.07.2017  20:00 Uhr  En. OmU  Hardcore Henry

Stumpf ist Trumpf

Neben der im AKA höchstgeschätzten Hochkultur hat das Kino auch einige Werke im Kanon, bei denen vorrangig die Kinetik des Geschehens im Vordergrund der Zuschauererfahrung steht. Die Rede ist von Actionstreifen.

Genauer gesagt dreht sich diese Filmreihe um Actionfilme, bei denen es weniger um möglichst brutale Gewalt, nervenaufreibende Plots, Katastrophenszenarien oder dergleichen geht, sondern vielmehr um die Faszination an kreativen, visuell mitreißenden Stunts und Handlungen des Protagonisten, also Kinetik pur. Reiner Eskapismus, im Ton locker bis over-the-top, stets bestimmt durch die Lust an hemmungsloser, bisweilen anarchischer „Bewegungsaction“. Diese Lust an heiteren, kreativen oder waghalsigen Kunststücken gab es schon von Anbeginn des Kinos, z.B. in den Stummfilmen Buster Keatons. Dessen Meisterwerk Der General ist unter anderem ein Musterbeispiel für mitreißende Zug-Stunts (dieses Semester zu sehen bei uns im AKA am 02.06.17). Actionbetonter Eskapismus ist somit kein neues Phänomen.

Heute stehen den Filmemachern freilich technisch ganz andere Möglichkeiten offen als zu Beginn des Kinozeitalters. Zwar kann man mit einem Übermaß an Computereffekten, gedankenlos gewählten multiplen Kameraperspektiven und uninspirierten Schnitten jede spannende Szene zu einer drögen Abfolge von bunten Bildern vermengen. Umgekehrt stehen aber mit kleinen, unverwüstlichen Go-Pro-Kameras, günstigen Drohnen und digitaler Bildbearbeitung völlig neue Optionen offen, um visuell beeindruckende Werke zu erschaffen. Wichtig erscheint dabei, dass mit Unterstützung der neuen technischen Möglichkeiten die Umsetzung einer klaren kreativen Vision verfolgt wird, anstelle des Versuchs, ein Fehlen derselben mit Effekten zu übertünchen. Auch die hier vorgestellten Filme nutzen die neuen Hilfsmittel ausgiebig, wie man etwa in Hardcore Henry spektakulär beobachten kann.

Dabei steht ihm Rahmen dieser Reihe meist ein (Anti-) Held im Fokus, der unverhofft große Probleme lösen muss. Die Fülle der Aufgaben reicht von „Rette dich selbst“ über „Rette die Frau“ bis hin zu „Töte die Bösen“. Demzufolge braucht sich niemand sorgen, dass beim Betrachten dieser Heldentaten so verzichtbare Dinge wie etwa ein komplexer Plot vom fröhlichen Geschehen auf der Leinwand ablenken könnten. Folgerichtig geraten dabei Logik, Moral und Geschlechtergerechtigkeit unter große, breite Räder. Gerade im Hinblick auf Sexismus macht sich hier wohl bemerkbar, dass die Beschreibung „von Männern für Männer“, die für einen Großteil der Filmproduktionen Hollywoods gilt, im Action-Genre noch einmal verschärft zutrifft. Einige der hier gezeigten Filme scheinen das zumindest ironisch zu reflektieren: In Hardcore Henry wird der Hauptdarsteller (und zugleich auch das Publikum) vom Bösewicht mit einer nackten Frau beworfen, und in Shoot ’Em Up weiß sich der Protagonist aufgrund seines als Actionheld per Definition geringen Repertoires an Handlungsoptionen nach einer Geburt nicht anders zu helfen, als die Nabelschnur per Pistolenschuss zu durchtrennen. Darin mag man vielleicht ein erstes, zaghaftes Hinterfragen von genretypischem Machismo erkennen, dennoch bleiben viele Szenen in den Filmen klar sexistisch. Wie also damit umgehen? Jeder muss selbst entscheiden: Wer sich von testosterongeschwängertem Machogehabe sehr stark abgestoßen fühlt, der wird besonders an Crank und Hardcore Henry vermutlich wenig Freude haben und sollte wohl besser auf unser restliches Programm ausweichen. Wer sich hingegen vorstellen kann, darüber hinwegzusehen, dem sei der Vorschlag der Bloggerin Anita Sarkeesian empfohlen: Man kann an Medien wie Actionfilmen Gefallen finden und dabei zugleich problematische Aspekte wie ihren Sexismus kritisieren. Das nennt sich dann wohl guilty pleasure.

Es wäre noch über einiges zu schreiben, etwa den Einfluss von asiatischem Actionkino oder von Videospielen, doch dafür reicht leider der Platz nicht. Also schließe ich mit einem Plädoyer: back to the roots, zurück zu den visuellen Wurzeln des Kinos! Die den Geist beflügelnden Rohmers, Wisemans et al. sind eine feine Sache, doch Kino kommt von Bewegung, deshalb soll auch das traditionsreiche Action-Genre im AKA gewürdigt werden! Für Krawall und Remmi Demmi, denn stumpf ist Trumpf!

Text: Phillip Maiwald

News
Aktuelles Programm
Filmreihen
Specials
Programmübersicht
Archiv
HighNoon Film-e-Zine
Über uns...
Links
Kontakt

HighNoon