aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Hirokazu Koreeda

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  25.04.2019  20:00 Uhr  Jap. OmU  Shoplifters - Familienbande
 Donnerstag  02.05.2019  20:00 Uhr  Jap. OmU  Hana
 Donnerstag  09.05.2019  20:00 Uhr  Jap. OmU  Like Father, like Son
 Donnerstag  16.05.2019  20:00 Uhr  Jap. OmU  Still Walking
Hören wir “japanisches Kino”, so denken viele hierzulande vermutlich zuerst an schwertschwingende Samurai oder die vielfältigen bunten Welten des japanischen Animationsfilms. Vielleicht fällt dem einen oder anderen sogar noch das abgedrehte Genrekino der Marke Takashi Miike ein. Eher unbekannt ist bei uns dagegen das japanischen Alltagskino, in dem die jeweilige Gegenwart anhand Geschichten des Alltags verhandelt wurden – dabei gibt es dort mindestens ebensoviele Meisterwerke zu bestaunen wie in den anderen Genres.

Niemand kann diese Behauptung so eindrucksvoll belegen wie Hirokazu Koreeda. Bis vor Kurzem waren seine Filme im Westen nur Kennern ein Begriff. Seit er im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme gewonnen hat, ändert sich das Gott sei Dank. Seine Werke übersieht man nämlich leicht. Liest man eine Zusammenfassung eines seiner Filme, dann fällt einem vor allem ein Wort ein: unspektakulär. Koreeda erzählt keine gewaltigen Epen, im Gegenteil. Seine Filme erzählen kleine Geschichten aus dem Alltag, betrachtet das Leben, vor allem das Zusammenleben und damit einhergehenden Probleme der Menschen. In der Tradition des japanischen Altmeisters Yasujiro Ozu (von dem wir auch einen Film zeigen, s. u.) steht dabei meistens eine Familie im Mittelpunkt. Diese scheinbar “natürliche” Einheit wird von ihm aus allen Blickwinkeln beleuchtet und analysiert. Koreedas größte Stärke ist dabei die Charakterzeichnung. Wo andere Filmemacher Charaktere mit wenigen zentralen Merkmalen umreißen, zeigt Koreeda Menschen in ihrer vollen Komplexität, mit all ihren Brüchen und Irrationalitäten. So werden seine Filme zu Versuchsanordnungen für die Frage, warum Menschen eigentlich zusammenleben und wie dies überhaupt gelingen kann. Warum verstehen wir einander? Wie können wir miteinander umgehen? Er flüchtet sich dabei nie in einfache Antworten. Menschen, so lehrt er uns, sind komplex UND kompliziert, intelligent UND irrational. Sie können Erfolg haben oder scheitern – oder alles, was dazwischen liegt…

Um das Zusammenleben geht es auch in (fast) allen Filmen der Reihe: Zum Auftakt zeigen wir den in Cannes ausgezeichneten Film Shoplifters – Familienbande, in dem eine Familie, die sich mit Ladendiebstählen über Wasser hält, ein von seinen Eltern vernachlässigtes Mädchen bei sich aufnimmt. In Hana geht ein junger Samurai im 18. Jahrhundert nach Tokyo, um sich an dem Mörder seines Vaters zu rächen und freundet sich mit den Armen in seinem Mietshaus an. In Like Father, like Son erfahren zwei Familien, dass ihre sechsjährigen Söhne bei der Geburt vertauscht werden und müssen entscheiden, ob sie sie zurücktauschen wollen. Und auch im Abschlussfilm Still Walking steht zum Abschluss wieder eine Familie im Mittelpunkt: Diese trifft sich, um den Jahrestag des verstorbenen Sohns zu begehen. Dabei treten zunehmend die Konflikte zwischen den Individuen zum Vorschein.

Text: Sebastian Petznick

News
Umzug WS2019/20
Aktuelles Programm
Filmreihen
Specials
Programmübersicht
Archiv
HighNoon Film-e-Zine
Über uns...
Links
Kontakt

HighNoon