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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Andrei Tarkowski

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  19.06.2019  20:00 Uhr  Ru. OmU  Iwans Kindheit
 Mittwoch  26.06.2019  20:00 Uhr  Ru. OmU  Solaris
 Mittwoch  03.07.2019  20:00 Uhr  Ru. OmU  Der Spiegel
 Mittwoch  10.07.2019  20:00 Uhr  Ru. OmU  Stalker

Poetische Harmonie

Wir schauen nur, aber wir sehen nicht! – Dieser berühmte Satz von Andrei Tarkowski beschreibt seine Sicht auf die Möglichkeiten der Filmkunst und ist zugleich eine Kritik an der Filmbranche sowie dem Kinopublikum. Moderne Massenkultur, die auf den Konsumenten zugeschnitten ist, zertrennt die Verbindung zwischen den Menschen und den wichtigen philosophischen Fragen der Existenz, die für Tarkowski zentral für die Kunst sind.

Andrei Arsenjewitsch Tarkowski wurde 1932 in der ehemaligen Sowjetunion geboren und ist der Sohn des russischen Dichters Arseni Tarkowski. Seine Mutter Maria Ivanowna Wischniakowa wird nach der frühen Trennung der Eltern im Jahr 1936 zu seiner wichtigsten Bezugsperson im Kindesalter.

Tarkowski, bereits früh ein Fan von Bergman, Buñuel und Fellini, wendete sich zunächst der Fotografie zu, die einen bedeutenden Anteil in seiner filmischen Sprache bekommen sollte. Seine Filme kennzeichnen sorgsam durchkomponierte Bilder, die oftmals keinen konkreten Handlungsverlauf zeigen, sondern Emotionen und Stimmungen erzeugen. Dadurch erreicht seine Filmsprache eine Universalität, die jeder Mensch nachvollziehen kann. Dieser Ansatz einer „poetischen Harmonie“ stieß in der Sowjetunion ständig auf Widerstand der Behörden und Tarkowski fühlte sich gezwungen 1983 das Land und seine Familie zu verlassen. Bis zu seinem Tod 1986 drehte er in Italien und Schweden seine zwei letzten Filme Nostalghia und Opfer. Letzteren widmete er seinem Sohn Andrei Andreyevich Tarkovsky „mit Hoffnung und Vertrauen“.

Die Eröffnung der Reihe bildet sein Langfilmdebüt Iwans Kindheit, das aus seinem Werk durch ein unterschiedliches, teilweise schnelleres Pacing heraussticht. Wir verfolgen dabei den zwölfjährigen Iwan, der nichts anderes als sein Leben im Zweiten Weltkrieg kennt. Bereits in seinem Debüt zeigt Tarkowski seine einzigartige filmische Sprache und ungewöhnliche Erzählweise. Der zweite Film ist Solaris, eine Verfilmung des Sci-Fi-Romans von Stanislaw Lem. Wissenschaftler stoßen auf der Suche nach extraterrestrischem Leben auf einen Planeten, auf dem eigene physikalische Gesetze zu gelten scheinen. Tarkowski interessiert sich jedoch nicht dafür, die Geschichte der Wissenschaftler *innen einfach zu erzählen, sondern nutzt den Film um an die philosophische Substanz der Geschichte zu gelangen. Wohin führt uns die Gier nach (technischem) Fortschritt?

Der Spiegel ist der dritte Film der Reihe und sein autobiografisches Meisterwerk. Tarkowski führt uns in die Gefühlswelt seiner Kindheit ein, die frühe Trennung der Eltern steht den Schrecken des Zweiten Weltkriegs gegenüber, zeitgleich diskutiert der Film die Wünsche unterschiedlicher Generationen und persönliche Schicksalsschläge, die einen Menschen zur Reue und Beichte treiben. Letztlich ist der Film eine große persönliche Entschuldigung an die Menschen, die Tarkowski in seinem Leben enttäuscht hat. Die Reihe endet mit seinem bekanntesten Film und für viele Cineasten der beste Film aller Zeiten: Stalker. In diesem Film sucht ein Professor, ein Schriftsteller und der „Stalker“ in der „Zone“ nach dem Raum der Wünsche, der jeden Herzenswunsch eines Menschen erfüllt. Nach einer Vorlage der Sci-Fi Autoren Arkadi und Boris Strugazki behandelt der Film wie kein anderer von Tarkowski die existienziellen Themen der Menschheit und die Verantwortung, die jeder Mensch in der Gesellschaft tragen sollte.

Nicht zuletzt die Netflix Filme Auslöschung oder IO zeigen auch heute noch, wie einflussreich Tarkowski 30 Jahre nach seinem Tod ist. Mit dieser Reihe wollen wir seinem Schaffen mehr Gehör in der Gesellschaft verschaffen und zeigen, was die Filmkunst auch in Zukunft alles zu zeigen vermag, damit wir nicht nur schauen, sondern auch sehen.

Text: Dominik Schröder

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