aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

The Greek Weird Wave

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  27.06.2019  20:00 Uhr  Gr. OmU  Attenberg
 Donnerstag  04.07.2019  20:00 Uhr  Gr. OmU  Alpen
 Donnerstag  11.07.2019  20:00 Uhr  Gr. OmeU  Boy Eating The Bird’s Food
 Donnerstag  18.07.2019  20:00 Uhr  Gr. OmU  Nacktbaden – Manche bräunen, andere brennen
2008/2009 ergriff die Finanzkrise die Welt, die europäische Staatsschuldenkrise verstärkte sich zigfach in ihrer Wirkung und die Institutionen gerieten ins Wanken. Too big to fail – gilt das auch oder eben gerade für Staaten? Aber was ist, wenn sich die Menschen dagegen wehren, beispielsweise von außen Sparmaßnahmen aufgezwungen zu bekommen? Wie kann die Filmkunst solche gesellschaftlichen Tendenzen abbilden und was kann sie zum politischen Diskurs beitragen?

Griechenland traf die Staatschuldenkrise besonders stark, ein Austritt aus der Währungsunion schien unvermeidbar. Für die Künstlerwelt sind solche politischen Umbrüche und Krisenzeiten reine Goldgruben für Inspirationen und Notwendigkeit. Schon 2009 dann der internationale Durchbruch von Yorgos Lanthimos mit seinem Film Dogtooth, eine scharfsinnige Parabel auf Diktaturen und politische Machtstrukturen. Filmliebhaber wurden wieder auf die griechische Filmeszene aufmerksam und mit einigen anderen Filmbeiträgen bereits im gleichen Jahr, die sich fast alle in ihrer verrückten und „irrationalen“ Erzählweise ähneln, war die Greek Weird Wave geboren.

Dennoch bleibt die Szene bis heute sehr divers. Der große Erfolg von Lanthimos Nachfolgefilmen The Lobster und The Favourite inspiriert einige Regisseure zu einer ähnlichen entfremdeten Filmsprache. Thematisch begeben sich die Filme auf teils absurde Pfade einzelner Individuen, die mit ihrer Resonanz der Welt ständig im Zwist sind. Der rationale Positivismus wird genauso angegriffen und durchbrochen wie Geschlechtergrenzen und erzählt wird von Themen wie Erwachsenwerden, Sexualität, der trostlose Alltag oder auch die aberwitzige Idee, vier Athener die Identität verstorbener Angehöriger zu geben und zu schauen, was die Gemeinschaft davon hält. Eine zynische Analyse des Rentenskandals damals in Griechenland?

Der Auftakt der Reihe ist Attenbergvon Athina Tsangari. Wir verfolgen dabei die 23-jährige Marina, die als Spätzünderin ihre Sexualität durch Tierdokumentationen von Sir David Attenborough entdeckt. Die einzige Person, die sie aufklären könnte, ist ihre Freundin Bella, die bereits ihre eigenen Erfahrungen gemacht hat. Eine aberwitzige Geschichte voller schwarzem Humor, spielerischem Tanz und natürlich den lieben Tierfilmchen. Der zweite Film ist Yorgos Lanthimos Alpen, der zwei Jahre nach Dogtooth erschien und ein Gegenstück zu der Idee von Dogtooth sein soll. Die Alpen sind hierbei eine Gruppe von Menschen, die für einen Geldbetrag den Platz der Hinterbliebenen für die noch lebenden Angehörigen einnehmen. Eine weitere absurde Komödie sowie düstere Tragödie des derzeit wohl bekanntesten Regisseurs Griechenlands.

Weiter in der Reihe geht es mit Boy Eating The Bird’s Food von Ektoras Lygizos. Die Geschichte des langzeitarbeitslosen 23-jährigen Yorgos, der sich jeden Tag auf die Suche nach Essen begeben muss um seinen Kanarienvogel zu ernähren, nur um schließlich selbst die Samen zu essen, sorgte bereits auf diversen Filmfestivals für Furore. Der Film ist ein harscher Kommentar auf die Situation der Arbeitslosen nach der Finanzkrise in Griechenland. Der Abschluss der Reihe bildet der Film Nacktbaden – Manche bräunen, andere brennen von Argyris Papadimitropoulos aus dem Jahr 2016. Der jüngste Film der Reihe, inspiriert von Romanen von Michel Houellebecq, erzählt die Geschichte des mittelalten Arztes Kostis, der auf einer griechischen Urlaubsinsel ein neues Leben beginnt. Exzessive Partys von Jugendlichen am Nudistenstrand erwecken in ihm eine neue sexuelle Begierde. Als die Jugendliche Anna nach einem Unfall mit ihrer Partyclique in der Praxis von Kostis landet, beginnt eine Abwärtsspirale in seinem Leben bis zum bitteren Ende.

Let's get weird and political!

Text: Dominik Schröder

News
Umzug WS2019/20
Aktuelles Programm
Filmreihen
Specials
Programmübersicht
Archiv
HighNoon Film-e-Zine
Über uns...
Links
Kontakt

HighNoon