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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Neuer? Horrorfilm

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  30.10.2019  20:00 Uhr  En. OmU  Suspiria
 Mittwoch  06.11.2019  20:00 Uhr  En. OmU  Hereditary – Das Vermächtnis
 Mittwoch  13.11.2019  20:00 Uhr  En. OmU  The Witch
 Mittwoch  20.11.2019  20:00 Uhr  Dt. OV  Hagazussa – Der Hexenfluch

Jenseits von Jump Scares

Der Horrorfilm am Anfang des 21. Jahrhunderts stand ganz im Schatten des 11.09.2001, so zumindest die These einiger Filmwissenschaftler, die unter anderem den Trend zum „Torture Porn“ wie in Saw oder Hostel eine Art Manifestation der realen Ängste der Menschen sehen. Auch die Geschichte des Horrorfilms ist voll von politischen Bezügen, entweder in Halloween (1978), den wir dieses Semester ebenfalls zeigen, oder in Das Ding aus einer anderen Welt (1982). Dennoch zeigen gerade die meist populären Filme, die lediglich mit Effekten wie Jump Scares oder übermäßigem Gore arbeiten, dass hier meist keine gesellschaftliche Analyse und Kritik angestrebt wird. In der neuen („amerikanischen“) Welle der Horrorfilme wird der Bezug auf das Politische wiederum stärker. Somit ist es, wie im Titel der Reihe angedeutet, fraglich, ob dies wirklich eine „neue“ Welle des Horrorfilms ist, oder nur der Bezug auf die wesentlichen Anfänge des Genres wieder stärker wird. Interessant ist jedenfalls, und das spiegelt auch die Auswahl der Filme wider, dass in dieser Welle hauptsächlich auf Frauen Bezug genommen wird. Der Zuschauer ist nun eingeladen, in jedem einzelnen Film dieser Reihe selbst über die Rolle der Frau in der Gesellschaft nachzudenken. Dazu laden insbesondere auch die Vorfilme ein.

Die Eröffnung der Reihe ist das Remake des Horrorklassikers Suspiria von Luca Guadagnino. Während das Original im Jahr 1977 in Freiburg spielt, versetzt Guadagnino diesmal die Handlung in das geteilte Berlin und eröffnet damit eine politische Komponente, die es im Original von Dario Argento nicht gab. Auch in diesem Remake kommt eine Studentin an die örtliche Tanzakademie, in der sie früher oder später die dunklen Abgründe entdeckt, die sich hinter den Ballettmeisterinnen verbirgt. Der zweite Film Hereditary – Das Vermächtnis erzählt von der Familie Graham, die abgeschieden in einem Haus am Waldrand leben. Als das Oberhaupt der Familie, die Großmutter, stirbt, geschehen im Haus seltsame Dinge, die sich zu einem Schreckensszenario verdichten. Die unbewältigten Dramen der Vergangenheit scheinen die Familie einzuholen. Nicht umsonst einer der erfolgreichsten Arthouse-Horrorfilme der letzten Jahre.

Der dritte Film The Witch hat im Erscheinungsjahr 2015 große Wellen geschlagen als einer der ungewöhnlichsten und erfrischendsten im Horrorgenre seit Jahren. Der Film spielt im 17. Jahrhundert, kurz nach der Besiedelung Amerikas, und folgt dort einer Familie die von ihrer puritanischen Gemeinde ausgestoßen wird, sich eine Farm am Rande eines Waldes erarbeitet und, als der Winter naht und sich im Wald merkwürdige Dinge ereignen, stellt sich jedes Familienmitglied einzeln der Isolation und Vertreibung im jeweils eigenen religiösen Wahn. Vor allem die Verweise auf die Hexenverbrennungen und dem dahinterstehenden Gedanken der Kontrolle über die Frau, und somit der Reproduktion, sind die interessantesten Facetten von The Witch. Eine ähnliche Thematik verfolgt der vierte und letzte Film der Reihe Hagazussa. Dieser spielt im 15. Jahrhundert in den österreichischen Alpen und verfolgt zunächst die Kindheit von Albrun, einer Ziegenhirtin, die mit ihrer Mutter in Isolation von der Gesellschaft lebt. Als Albruns Mutter stirbt und wir 20 Jahre in die Zukunft getragen werden, verfolgen wir die absteigende Spirale in Albruns selbstzerstörerischen Wahnsinn.

Text: Dominik Schröder

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