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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Filme mit Biss – der Vampir im Kino

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  23.01.2020  20:00 Uhr  En. OmU  Only Lovers Left Alive
 Donnerstag  30.01.2020  20:00 Uhr  Pers. OmU  A Girl Walks Home Alone at Night
 Donnerstag  06.02.2020  20:00 Uhr  stumm  Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens
 Donnerstag  13.02.2020  20:00 Uhr  En. OmU  5 Zimmer Küche Sarg
VampirreiheSeit Twilight den Vampir zum sensiblen, moralisch überkorrekten Schmuse-Boyfriend degradiert
hat, ist der Blutsauger im Film etwas in Verruf geraten. Dabei hat der untote Fangzahn so viel zu
bieten!

Ob als ewiger Außenseiter, der der verkommenen Menschheit überheblich bei ihrem Gang durch die Jahrtausende zuschaut, als mystisch verführender Serienkiller oder schlicht als triebgesteuertes Monster jenseits jeglicher Moral – es wird höchste Zeit, all die Facetten aufzuzeigen, in denen der Vampir zu schillern vermag, ohne dabei zu glitzern! Was fasziniert eigentlich derart an dem blutgierigen Parasiten? Im Grunde ist der moderne Vampir-Mythos, der von dem im Sarg hausenden, das Tageslicht meidenden und sich von menschlichen Säften ernährenden Ungeheuer erzählt, noch gar nicht so alt: Den Vampir, wie wir ihn kennen, hat vor allem Bram Stoker in seinem 1897 veröffentlichtem „Dracula“ erfunden. Im Film hatte der Blutsauger seinen ersten Auftritt im 1922 erschienenen Nosferatu, einem der ersten Vertreter des Horrorfilms. Hier treffen wir auf einen Vampir der alten Schule, den an Graf Dracula angelehnten Graf Orlok, der in einem einsamen Schloss haust, des Nachts gierig über seine Gäste oder junge Frauen herfällt und bei Sonnenlicht in Rauch aufgeht.

Seit Nosferatu wurde der Vampir im Film vielfach verarbeitet, prügelt sich in Transsylvanien mit
Werwölfen, wird von schusseligen Fledermaus-Professoren unbewusst über die ganze Welt verschleppt oder von blonden Vampirjägerinnen verfolgt, ist mal gesellschaftsferner Eigenbrötler, mal
angepasster Mitbürger und ernährt sich nur noch von synthetischem Blut. Und doch bleibt er stets
irgendwo Außenseiter und tief im Innern mordgierig und menschenfremd. Ist es vielleicht das, was
wir im Vampir-Mythos sehen? Die eigene Nonkonformität, den Sonderling und Menschenfeind in
uns, der trotz aller gesellschaftlichen Anpassung stets irgendwo lauert?

In dieser Reihe werfen wir neben Nosferatu einen Blick auf Vampire, die sich mit den Eigenarten
unserer Gesellschaft arrangiert haben (oder es zumindest versuchen). Da ist das hochkultivierte und
philosophischen Diskussionen zugetane uralte Blutsauger-Liebespaar in Jim Jarmuschs Only Lovers
Left Alive, das angesichts des Stumpfsinns der Menschheit etwas Kultur in die Einöde zu bringen
versucht, bevor es selbst animalisch über bald blutleere Opfer herfällt. Da ist das feministische Vampirmädchen ohne Namen in A Girl Walks Home Alone At Night, das im Tschador im Iran Skateboard fährt und Frauenfeinde und Drogendealer gleichermaßen seiner persönlichen Vendetta zum Opfer fallen lässt. Und schließlich begleiten wir in 5 Zimmer, Küche, Sarg eine Vampir-WG dokumentationsähnlich durch ihren neuseeländischen Alltag – Folterkammer im Keller, Nazi-Vampire mit Imageproblemen und blutspendende Jungfrauen inklusive.

Wie auch immer der Blutsauger in unser Gesellschaftsbild passt, die Kinoleinwand beherrscht
er wie kein Zweiter. Wer auf christlich-treue Kuschel-Vampire und Plüsch-Fangzähne hofft, ist hier
falsch, allen anderen aber sei gesagt: Er kann doch was, der Vampir! Also packt eure Pfähle ein und
bestellt den Döner vorm Film lieber mit Knoblauchsoße – wir erwarten euch im aka!

Text: Clara von Harling

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