aka-Filmclub.de

Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Doppelt & Dreifach

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  17.10.2001  20:00 Uhr  OmU  Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben
 Mittwoch  24.10.2001  20:00 Uhr  OmU  Der große Diktator
 Donnerstag  08.11.2001  19:45 Uhr  OmU, Scope  Mars Attacks!
 Donnerstag  15.11.2001  20:00 Uhr  OF, Scope  Austin Powers
Ich habe mich als kleiner Junge immer gefragt, warum die Leute in Filmen nicht ihre wirklichen Namen benutzen, sondern erfundene. Als ich dann zum ersten Mal einen Film sah, in dem ein Schauspieler mehrere Leute spielte, dämmerte mir, dass es doch eine große Differenz zwischen einer Rolle und dem, der sie spielt, geben muß. Um solche Filme soll es hier gehen: Filme, in denen ein Schauspieler mehrere Rollen spielt.
Nicht gehen soll es um Grenzfälle, wie z.B. das populäre Motiv der gespaltenen Persönlichkeit. Hier gibt es zwar auch zwei Rollen - am populärsten: Dr. Jekyll und Mister Hyde - aber diese sind Teil ein und der selben Figur. Die Fülle von Adaptionen und Variationen dieses klassischen Motivs in der Filmgeschichte wäre ohnehin nicht in einer Filmreihe zu bewältigen. Ebenfalls nicht im Zentrum stehen sollen Filme, in denen es um Zwillingspaare oder um sonstige Verwandte geht. Die Darstellung von mehreren Verwandten in einem Film durch einen Schauspieler hätte ich zwar gerne miteinbezogen, aber leider ist das absolute Non-Plus-Ultra der Mehrfachrollenfilme, Adel verpflichtet! (Sir Alec Guiness spielt darin neun(!) Adlige in einer Erbfolge, die nacheinander umgebracht werden, damit der 9. schließlich erben kann...) nicht mehr im Verleih zu bekommen. Ein weiteres schönes Beispiel ist Die Maus, die brüllte: In dieser Satire spielt Peter Sellers Premierminister, Herzogin(!) und Oberförster/Feldmarschall eines kleinen, Inzucht treibenden Fürstentums im Herzen von Europa.
Gehen soll es vielmehr um Filme, bei denen ein Schauspieler mehrere, von einander getrennte Personen spielt, die kein Band der Verwandschaft miteinander verbindet. Da ist zum einen das Motiv des Doppelgängers und der Verwechslung zu nennen, des Prinzen und des Bettelknaben (so Mark Twains gleichnamiger Roman). Auf die Spitze getrieben wird dieses Motiv in Charlie Chaplins Der große Diktator, in dessen Schlußsequenz der aus dem KZ entflohene jüdische Barbier irrtümlicherweise für den Tyrannen selbst gehalten wird und dadurch eine flammende Rede für Toleranz und Menschlichkeit halten kann.
Bei vielen Filmen verschwindet aber die Ähnlichkeit der Mehrfachrollen hinter der schauspielerischen Leistung oder maskenbildnerischen Tricks: In Austin Powers spielt Mike Myers den Superschurken Dr. Evil und seinen Gegenspieler Austin Powers - was man nicht sofort bemerkt. Auch Peter Sellers in seiner Dreifachrolle als britischer Verbindungsoffizier, US-Präsident und namensgebenden Naziwissenschaftler Dr. Seltsam ist in diesen Rollen so grundverschieden, dass wir während des Films geneigt sind zu vergessen, dass wir es dreimal mit Peter Sellers zu tun haben. Die Tatsache, dass wir jedoch wissen, dass ein und der selbe Schauspieler in mehreren Rollen steckt, eröffnet uns Interpretationsspielräume: Sind diese Rollen vielleicht gar nicht so weit weg von einander, auch wenn das Drehbuch es nahelegt? Wo liegt beispielsweise der Zusammenhang zwischen geldgierigem Casinobetreiber und US-Präsident in Mars Attacks!, beide gespielt von Jack Nicholson? Es ist nicht nur diese Möglichkeit einer weiteren Sinnebene, die Doppelt- und Mehrfachrollen interessant machen. Es ist vor allem die Tatsache, dass wir großartige Schauspieler dabei beobachten können, wie sie in verschiedene Rollen schlüpfen. Wie groß das komische Potential von Mehrfachrollen ist, zeigt die Tatsache, dass in dieser Filmreihe nur Komödien und Satiren gezeigt werden.

Text: Timothy Simms

News
Aktuelles Programm
Filmreihen
Specials
Programmübersicht
Archiv
HighNoon Film-e-Zine
Über uns...
Links
Kontakt

HighNoon