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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Ahhh! It’s Gojira!

Filme dieser Reihe:
 Montag  09.07.2001  20:15 Uhr    Anatomie eines Monsters
 Dienstag  10.07.2001  20:00 Uhr  sw  Godzilla
 Mittwoch  11.07.2001  20:00 Uhr  TohoScope  Frankenstein und die Monster aus dem All
 Donnerstag  12.07.2001  20:00 Uhr    King-Kong - Dämonen aus dem Weltall
So wie die Gesellschaft sich im Film widerspiegelt, bietet dieser wiederum der Gesellschaft Ersatz für Nichtauszusprechendes, aber eben im Film Darstellbares. Die Festschreibung solcher Bilder ist die Stärke des Films. Als im März 1954 die Besatzung des Fischerboots „Fukuruyu Maru“ erkrankte (ein Besatzungsmitglied starb), nachdem das Boot in den Wirkungsbereich der Atomtests im Bikini-Atoll geraten war, breitete sich Empörung in Japan aus. Dieser Zwischenfall wird in Godzilla verarbeitet: Der Film beginnt mit Nachrichten über unerklärliche Schiffshavarien im Bikiniatoll. Das Monster, das durch die Bombe erweckt wurde, wird zum Sinnbild der Bombe selbst. Godzilla verarbeitet das Trauma der Nuklearkatastrophen von Nagasaki und Hiroshima, im damaligen Japan ein Tabu, über das nicht kommuniziert werden durfte. Der Bedrohung kann nicht durch militärische Mittel Einhalt geboten werden (diese Lösung ist durch den verlorenen Krieg diskreditiert), die Wissenschaft wird zur Helferin in der Not- ein Motiv, das auch in den weiteren Filmen der Reihe präsent ist. Das Motiv der durch menschliche Hybris erweckten Monstren findet sich in den frühen Kaiju Eigas (Monsterfilmen), wie beispielsweise Die fliegenden Monster von Osaka.
Godzilla erging es nicht anders als Dracula: Durch seinen Erfolg an der Kinokasse wurde er ein Untoter, verdammt dazu, immer wieder aufgeweckt und schlafen gelegt zu werden. Man kann die Godzilla-Serie grob in zweieinhalb Phasen einteilen: Zur ersten Phase zählen die direkten Nachfolger des Urgodzilla, die von 1962 bis 1975 jährlich auf einen Leinwandauftritt kommen. 1984 entsteht dann ein Remake des Films von 1954, das bis 1995 insgesamt 5 Fortsetzungen erfährt. Schließlich dreht 1998 Roland Emmerich ( The Patriot, siehe Seite 23) den ersten US-Godzilla, der die in ihn gesetzten Erwartungen an den Kassen nicht halten kann und deshalb wohl nicht fortgesetzt werden wird. Mit King Gidrah - The Threeheaded Monster wandelt sich die Godzillaserie 1964 grundlegend: Zum ersten Mal kommt die Bedrohung aus dem Weltall, und zum ersten Mal steht Godzilla auf Seiten der Menschheit. Das Motiv
der Bedrohung aus dem Weltall, einer drohenden Invasion außerirdischer Mächte, zieht sich im folgenden durch fast alle der Godzillafilme. Im nächsten Film der Reihe Befehl aus dem Dunkel 1965 gelingt es den Invasoren gar, die Monster mit Hilfe von Magnetwellen für ihre düsteren Absichten zu benutzen, Ähnliches geschieht 1968 in Frankenstein und die Monster aus dem All. Weitere „Gegner“ Godzillas lagen auf der Hand: In Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer ist es eine Geheimorganisation namens „Roter Bambus“, in Frankensteins Kampf gegen die
Teufelsmonster muß die Riesenechse mit dem „Smog-Monster“ Hedorah kämpfen, das als Folge massiver Umweltverschmutzung aus einer Mülldeponie geboren wird. Godzilla ist endgültig „vom großen Zerstörer zum großen Freund“ (Georg Seeßlen) geworden. Die 90er bringen außer ausgefeilterer Tricktechnik wenig neues. Emmerich reduziert schließlich Godzilla vom Monster auf ein Riesentier. Die Geburt von Godzilla aus der Bombe wird bei Emmerich zur Betriebsstörung - pikanterweise diesmal der Franzosen.
Godzillafilme gelten hierzulande als Trash - mehrere Gründe sind hierfür verantwortlich. Zum einen die Vermarktung der Filme in Deutschland: Warum aus den japanischen Originaltiteln, die fast immer „Godzilla vs. irgendein anderes Monster“
lauten, „Frankenstein“ oder „Kingkong“- Filme wurden, ist ein Rätsel. Zum anderen die bewusste Entscheidung der Filmemacher, als Tricktechnik die sogenannte Suitmation zu verwenden, in der die Monster durch in Monsteranzüge gesteckte Schauspieler gespielt werden und diese durch Modelllandschaften stampfen. Nur diese Technik schafft es aber, den Monstern so etwas wie einen eigenständigen Charakter zu geben, sie zu Akteuren zu machen. Denn im Kaiju Eiga stehen die mystischen Kämpfe riesiger Monster im Mittelpunkt, nicht wie im amerikanischen Horrorfilm die Reaktion der entsetzten Menschen auf diese. Erst die aus dem kulturellen Kontext Japans gelöste westliche Sicht auf die Filme macht diese zu Trash.
Für den schlechten Ruf der Serie sind vor allem einige, auf ein junges Publikum zugeschnittene Filme der ersten Serie verantwortlich, z.B. King-Kong – Dämonen aus dem Weltall, die haarsträubende Geschichten mit unerträglicher Pädagogik zusammenzubringen versuchen wie Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn. Viele der Godzillafilme waren lange Jahre nicht in den Kinos zu sehen, sondern fristeten ein kümmerliches Dasein im Privatfernsehen - einem Medium, das kein CinemaScope kennt und die Farb-dramaturgie der Filme verflachte. Godzilla braucht die große Leinwand und das Kino.
Wer sich eingehender für Godzilla interessiert, dem sei der Essay „Vom großen Zerstörer zum großen Freund – die japanischen Godzilla-Filme“ von Georg Seeßlen empfohlen, der in epd Film 8/98 zu finden ist und viele Interpretationsansätze liefert. Eher für Fans als für filmwissenschaftlich Interessierte zu empfehlen sind die wunderschön bebilderten Bücher „Godzilla, Gamera, Gappa“ von Detlef Claus und Rolf Giesen und „Monster aus Japan greifen an“ von Jörg Buttgereit (& Freunden). Eine richtig ausgearbeitete wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Godzilla im deutschsprachigen Raum ist mir nicht bekannt, ich bin aber für sachdienliche Hinweise dankbar.

Text: Timothy Simms

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