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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Wong Kar-wai

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  13.01.2005  19:45 Uhr  OmU  Chungking Express
 Donnerstag  20.01.2005  20:00 Uhr  OmU  Happy Together - Glücklich vereint
 Dienstag  01.02.2005  20:00 Uhr  OmU  Fallen Angels - Gefallene Engel
Wong Kar-wai lässt gerne auf sich warten. Sein neuester Film 2046 wurde schon letztes Jahr vergeblich in Cannes erwartet, und wurde dieses Jahr in letzter Sekunde vom Edinburgh Filmfest zurückgezogen, weil Wong darauf bestand, wieder nachzudrehen und eine neue Fassung zu schneiden. Manche munkeln schon, dass der Film tatsächlich erst im Jahre 2046 fertiggestellt wird. Aber dafür, dass Wong Kar-wai so ungewöhnlich lange für seine Produktionen braucht, sind die Resultate um so beeindruckender.
Der 1958 in Schanghai geborene und in Hongkong aufgewachsene Regisseur studierte zunächst Graphikdesign, bevor er sich sein Geld mit dem Schreiben von Drehbüchern verschiedenster Genres verdiente, um später schließlich selbst Regie zu führen. Nach seinem Regiedebüt As Tears Go By (1988) folgten Days of Being Wild (1991) und Ashes of Time (1994). Mit Chungking Express (1995) feierte Wong dann seinen internationalen Durchbruch, und avancierte mit Fallen Angels (1996) und Happy Together (1997) zu einem der wichtigsten Autorenfilmer der Gegenwart. Für Happy Together wurde er in Cannes mit dem Regie-Preis ausgezeichnet, und sein Meisterwerk In the Mood for Love (2000) erhielt sowohl in Cannes den Preis für den besten Darsteller und für die beste Technik, als auch Oskarnominierungen für Bester Film und Beste Darsteller.
Während seiner Laufbahn hat sich Wong Kar-wai ein festes Team erarbeitet. Nicht nur Schauspiel-Grössen wie Leslie Cheung, Tony Leung und Maggie Cheung arbeiten immer wieder gerne mit ihm. Insbesondere das australische Kamera-Genie Christopher Doyle entwickelte zusammen mit Allround-Talent William Chang (Ausstattung, Kostüm, Schnitt) den unverkennbaren Stil, der Wong berühmt machte. So sind die Großstadtballaden Chungking Express und Fallen Angels von frenetischer Energie und schnellen Schnitten, Zeitsprüngen und Zeitlupen, schwebender Handkamera und grellen Neonlichtern gekennzeichnet. In diesen zersplitterten Episodenfilmen drohen Nachschwärmer, coole Jungs und schöne Mädchen an ihrer Entfremdung unterzugehen.
Kaum war Wong Kar-wai für diese Kreuzung von Godard und Musikvideos bekannt geworden, ging er mit Happy Together, einem ausserordentlich ruhigen Film, ganz neue Wege: gemächliche, betörend schöne Bilder und verführerische Musik sprechen darin von Einsamkeit und Zurückweisung, aber auch vom Glück der Liebe. Diese atmosphärische Weiterentwicklung wurde mit In the Mood For Love, Wongs bisher zärtlichstem Film, perfektioniert. Elegante, distinguierte Schauspieler; farbenfrohe, opulente, sinnliche Ausstattung und Kostüme; stille, geheimnisvolle, sich wiederholende Bildersprache – all diese hypnotischen Elemente verführen den Zuschauer zurück in eine glamouröse, fast verlorene Zeit. Auch 2046 soll sich dieser Ästhetik anschliessen.
Solange wir also noch auf Wong Kar-wais neuesten Film warten, soll diese kurze Werkschau dazu dienen, gerade den Übergang von seiner früheren zu seiner späteren Schaffensphase zu veranschaulichen. Dabei kreisen alle Filme immer wieder um Themen wie Zeit, Erinnerung, Liebe, Sprachlosigkeit und Sehnsucht. Schliesslich beschreibt Wong selber sein Werk folgendermassen:
„Ich würde sagen, dass ich eigentlich einen einzigen langen Film mache. Und jeder einzelne Film ist wie eine Szene dieses langen Films. Und ich weiß nicht, wie dieser Film sein wird, wie lang dieser Film sein wird. Vielleicht, wenn ich mal aufhöre Filme zu machen und schaue zurück, dann merke ich, so lang ist dieser Film und darum geht es…“ Marion Schnelle

Text: Marion Schnelle

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