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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Marokko – zwischen Europa und dem Atlas

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  10.11.2004  20:00 Uhr    Haschisch
 Dienstag  08.02.2005  19:45 Uhr    Casablanca
 Donnerstag  17.02.2005  20:00 Uhr    Eine Nacht in Casablanca
Afrika ist 13km weit weg – wenn man sich im tiefsten Süden Andalusiens, in Gibraltar befindet. Und die Geschichte des Landes auf der anderen Seite der Meerenge ist mit der europäischen so verwoben, dass sich, historisch gesehen, Marokko und Andalusien als der große, fließende Übergang zwischen den Kontinenten darstellen.
Bereist man heute den Norden und Westen Marokkos, werden die gegenwärtigen, intensiven Bezüge zu Europa schnell deutlich: Man spricht neben Arabisch Französisch, es ist üblich, gelegentlich in Spanien zu arbeiten, und mit der Hafenstadt Casablanca, dem größten Warenumschlagplatz Nordafrikas, besitzt Marokko den Knotenpunkt aller europäisch-westafrikanischen Handelsbeziehungen. In meiner Wahrnehmung war diese Hafenromantik, der ‚Traffic‘, immer charakteristisch für Marokko. Einerseits kommt das natürlich durch den Film Casablanca, der den Hafen als die letzte Hoffnung zu fliehen darstellt und das Land Marokko als schaurig-fremden Ort der schicksalhaften Begegnung. Dieses Image von Marokko (damals französisches Protektorat) war mit ‚Casablanca‘ so etabliert, dass die Marx Brothers 1946 mit Eine Nacht in Casablanca eine eigene Komödie darauf aufbauen konnten: Marokko, Hort der Agenten und Emigranten, die auf das nächste Schiff nach Chile warten.
Andererseits bildet Marokko das Tor nach Afrika – wenn man das Atlas-Gebirge überwindet, hinter dem das riesige Algerien und die Sahara liegen. Nicht das Mittelmeer, sondern dieses Gebirge bildet die eigentliche Grenze zwischen den Kontinenten. An seiner Südseite befindet sich auch ein völlig anderes, aus europäischer Perspektive kaum erschlossenes Marokko, wo vor allem die Nachfahren der legendären Berber-Stämme beheimatet sind.
Von diesen handelt der dritte Film unserer Reihe, die Dokumentation Haschisch, die allerdings nicht im Atlas sondern im Rif-Gebirge im Nord-Osten des Landes gedreht wurde. Das Rifgebirge ist seit alters her eine Unruheregion. Von hier kamen Kahina, die Kämpferin gegen die arabischen Eroberer, und Abdel Krim, der Held der Berber, der eine ganze spanische Armee besiegte und in den 20er Jahren die Freie Rifrepublik ausrief. Heute kommt aus dieser Region – was für ein fast ausschließlich muslimisches Land ungewöhnlich ist – ein vorzüglicher Wein. Daneben 2/3 des in Europa konsumierten Haschisch.Die Auswahl dieser drei Filme beabsichtigt nicht, ein ungeschminktes, entmystifiziertes Bild von Marokko zu erstellen. Wichtiger ist uns, einen Blick auf die Romantik zu werfen, die dieses Land in unserer Wahrnehmung und in der filmischen Tradition transportiert.

Text: Matthias Zabel, Frederik Bamberg

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