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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Kleine Momente der Wahrheit (Hans-Christian Schmid)

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  14.04.2005  20:00 Uhr    Nach fünf im Urwald
 Donnerstag  21.04.2005  20:00 Uhr    23 - Nichts ist so wie es scheint
 Donnerstag  28.04.2005  20:00 Uhr    Crazy
 Donnerstag  12.05.2005  19:45 Uhr    Lichter
Auch dieses Semester führen wir unsere Langzeituntersuchung „Was macht der neue deutsche Film?“ fort - mit einem der wichtigsten jüngeren Filmemacher im Land:
Hans-Christian Schmid drehte erst Dokumentarfilme (Sekt oder Selters, Die Mechanik des Wunders), 1994 schloss sich mit Himmel und Hölle ein erster Spielfilm fürs Fernsehen an
. Es folgte Nach fünf im Urwald, zu seiner Zeit ein absoluter Kassenknüller im restlos ausverkauften aka, der als Kino-Debütfilm nicht nur seinen Regisseur schlagartig bekannt machte, sondern auch seine sympathische Hauptdarstellerin: Franka Potente, das nette Mädchen mit der Gitarre, (Nein - nicht Nicole!) spielte sich in die Zuschauerherzen und wurde innerhalb weniger Jahre zu einem der wenigen international bekannten deutschen Schauspielstars. Dem Thema des Erwachsenwerdens mit all seinen Freuden und Schmerzen blieb der Regisseur auch in seinen beiden folgenden Werken treu: 23 - Nichts ist so wie es scheint erzählt eindrücklich von einem jungen Mann, der zunehmend den Boden unter den Füßen verliert. Der Film erreichte schnell Kultstatus als erstes deutsches Hacker-Drama und liebevolle Rekonstruktion der 80er Jahre. Es folgte mit Crazy die stimmige Umsetzung einer erfolgreichen Romanvorlage, die für den Hauptdarsteller Robert Stadlober den Durchbruch bedeutete. Schmids vierter Kino-Spielfilm, Lichter, wurde dank zahlreicher internationaler Filmpreise sein größter Erfolg. Radikaler, packender und düsterer als seine Vorgänger, löste sich der Regisseur von seinen Fragen über den Prozess des Erwachsenwerdens und widmete sich in fünf elegant miteinander verschachtelten Episodensträngen einzelnen Schicksalen an der deutsch-polnischen Grenze im lauen Spätsommer. Interessant könnte hier der Vergleich zu Filmen wie Nachtgestalten oder Halbe Treppe von Andreas Dresen sein, die vor zwei Semestern im aka liefen.
„Seine grundlegende Tugend ist,“ lobte ihn der filmdienst, „dass er Thema und Figuren ernst nimmt“. Tatsächlich ist es neben der Genauigkeit in Ausstattung und Dekor, die zu präzisen Porträts von Epochen (wie beispielsweise das politische Klima der 80er Jahre in 23) oder Generationen führen kann, vor allem sein interessierter Blick auf einzelne Personen, der seinen filmischen Stil auszeichnet. Generell hege er, so Schmid, „Sympathie für die Figuren, auch wenn es Kleinganoven, Verlierer oder Kriminelle sind“. Deshalb versuche er, „diese Figuren in ihrem Scheitern möglichst differenziert zu zeigen, immer wieder die Frage zu stellen, warum diese Menschen so sind wie sie sind.“ Dazu sind manchmal auch lange Kameraeinstellungen nötig: „Je länger die Takes werden, desto eher passiert es, dass etwas entsteht, das es nur in dieser Sekunde geben kann. Etwas Wahrhaftigeres vielleicht, etwas Unwiederbringliches.“ Neben allen Erzähltricks und Drehbuchkniffen, Witz und schönen Bildern steckt auf subtile Weise in seinen Filmen noch immer der dokumentarische Blick, der uns etwas über uns selbst erzählen kann, wenn wir genau hinsehen.

Text: Alexander Sancho-Rauschel

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