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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Jenseits von Hollywood

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  10.01.2006  19:00 Uhr  OV  Happiness
 Donnerstag  12.01.2006  20:00 Uhr  OmU  Elephant
 Dienstag  17.01.2006  20:00 Uhr    The Station Agent
 Mittwoch  18.01.2006  20:00 Uhr  OmU  The Woodsman
 Dienstag  24.01.2006  19:45 Uhr    Garden State

Amerikanische Indie Hits

Mit dieser Reihe wollen wir der Frage nachgehen, wie sich das amerikanische Independent Kino in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt hat und sich heute vom amerikanischen Mainstream-Kino unterscheidet. Die Grenze ist nämlich beträchtlich fließender geworden, weswegen sich das Independent-Kino nicht mehr so einfach definieren lässt. Das Independent Kino ist zu einer Industrie geworden, die heute viel mehr parallel zum Mainstream und nicht als dessen eindeutiger Gegenpol existiert. Vieles hat sich seit den 80er Jahren verändert. Damals mussten Independent-Filmemacher mit sehr knappen Mitteln auskommen, mit unbekannten Schauspielern arbeiten und die Filme mussten in kürzester Zeit gedreht werden, in der Hoffnung, dass das Publikum über die technischen Mängel hinweg sehen kann. Heute können Indie-Filmemacher größere Budgets ergattern und die Filme besser vermarkten, während die Filme früher viel mehr von Filmbesprechungen und vom Mundpropaganda abhängig waren. Die größeren Budgets haben auch eine längere Drehzeit und eine bessere technische Qualität ermöglicht. Independent Filme genießen mittlerweile auch ein höheres Ansehen. Wenn ein bekannter Schauspieler früher in einem kleinen Indie auftrat, was das ein Zeichen dafür, dass seine Karriere in Schwierigkeiten war. Inzwischen spielen auch die prominentesten Schauspieler von Hollywood in Indie-Filmen und neben den üblichen Indie-Schauspielern wie beispielsweise William H. Macy, Patricia Clarkson, Philip Seymour Hoffmann, John Turturro und Steve Buscemi stößt man auch auf Namen wie Robin Williams, Bruce Willis, John Travolta und Sean Penn. Die Finanzierung des Films und deren Quelle sind natürlich immer wichtig, wenn man versucht, den Begriff Independent-Kino zu definieren. Es geht aber um viel mehr als nur Finanzen. Es geht um die Ästhetik und den Stil. Und es geht um etwas, was noch schwerer zu fassen ist, die Einstellung, oder die "Attitude", wie man auf Englisch sagen würde. Noch ein weiterer wichtiger Faktor ist das Themenspektrum. Die Kompromisslosigkeit und der Mut, sich mit heiklen und schwierigen Themen auseinanderzusetzen, die in Hollywood als Tabus oder Risiken aufgefasst werden, waren schon immer kennzeichnend für das Indie-Kino. Im Rahmen dieser Reihe zeigen wir fünf preisgekrönte mehr oder weniger kontroverse Filme, die erfrischend unterschiedlich sind. Zwei von denen sind von schon etablierten Indie-Filmemachern (Todd Solondz, Gus Van Sant) und drei erfolgreiche und viel versprechende Debüt-Filme. Happiness, einer der kontroversesten Filme der 90er Jahre, ist eine pechschwarze Komödie von Solondz über die Suche nach privatem Glück. The Station Agent, der Gewinner des Sundance Film Festivals 2003, ist ein wunderschöner, stiller Film über die Heilkraft der Freundschaft. Elephant, der in Cannes mit dem Goldenen Palm ausgezeichnete Film von Van Sant, berichtet über eine Schießerei in einer amerikanischen High School. In The Woodsman, dem gewagten Debütfilm von Nicole Kassell, begegnet dem Zuschauer ein Pädophiler, der versucht, sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wieder an die Gesellschaft anzupassen. Garden State, neben Station Agent der unkontroverseste in der Reihe, ist Zach Braffs beeindruckender Erstling, der Vergleiche mit dem Klassiker Die Reifeprüfung hervorgerufen hat. Alle fünf Filme sind amerikanisches Independent-Kino am besten, anspruchsvolle Filme, die niemanden kalt lassen. Sie provozieren und unterhalten, empören und bezaubern, erschüttern und anrühren und sie zwingen ihre Zuschauer zum Nachdenken. Ganz kleine Filme, aber großes Kino. Mach mal 'ne Entdeckung!

Text: Pekka Pennanen

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