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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Amerikanische Roadmovie-Komödien

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  18.04.2007  19:45 Uhr  OmU   Little Miss Sunshine
 Mittwoch  25.04.2007  19:15 Uhr  DF  Sideways
 Mittwoch  02.05.2007  20:00 Uhr    Flirting with Disaster
 Mittwoch  09.05.2007  19:30 Uhr  DF  American Graffiti

On the road – or slight aside?

Spätestens seit Ende der sechziger Jahre ist das Roadmovie mit Bonnie and Clyde (1967) und Easy Rider (1969) eines der wichtigen Genres im amerikanischen Kino. Es geht um die Darstellung ungewöhnlicher Charaktere, die einen Selbstfindungsprozess durchmachen und deshalb auf Reisen gehen. Die Straße und die zurückgelegten Meilen dienen dabei teils ihrer persönlichen Entwicklung und teils ihrer Flucht vor der Außenwelt und vor sich selbst. Es geht also prinzipiell um ernste Themen, komplexe Charaktere und besondere Lebenswelten.

Allerdings gibt es auch zahlreiche Filme, welche die typischen Roadmovie-Themen von einer weniger ernsten Seite beleuchten und ihnen eine augenzwinkernde Komik abgewinnen. Schon 1973 machte George Lucas mit American Graffiti auf sich aufmerksam, der als wohl einziges Roadmovie in einem eng begrenzten Raum spielt, dennoch spielt sich die Handlung fast ausschließlich in Autos und auf der Straße ab. Die großen Fragen nach der eigenen Zukunft und Identität stellen hier vier Kleinstadt-Teenager in den 60er Jahren und ihre Straße geht vom Burgerlokal über den Tanzclub bis zum romantischen Treffpunkt am See. Ein solcher Kniff – die große Straße des Lebens als abgelegene Landstraße – ist eine Möglichkeit, um ein Roadmovie als Komödie zu drehen. Dazu bieten sich Figuren an, die ihre Reise antreten, weil sie weit stärker von neurotischen Ideen, denn von realen Gefahren gehetzt werden. So sucht der in einer Adoptivfamilie aufgewachsene Mel in Flirting with Disaster (1996) nach seinen wahren Eltern. Ohne sie zu kennen sieht er sich nicht imstande, seinem sechs Monate alten Kind einen Namen zu geben. Die Odyssee des New Yorkers quer durch die Staaten bis nach New Mexiko ist dabei eher eine Alibihandlung für die Probleme, die sich Mel selbst macht, dennoch hilft sie ihm diese zu überwinden.

Auch in Sideways (2004) geht es um die Überwindung von persönlichen Krisen, wenn zwei Vierziger, ein depressiver Möchtegern-Autor und ein playboyhafter, aber drittklassiger Schauspieler, auf Weinreise nach Kalifornien fahren. Diese Tour auf Abwegen als hilfreiche Flucht vor dem eigenen Leben lebt von ihren kauzigen, aber immer liebenswerten Hauptfiguren. Zugleich ist der Film ein lakonisches Porträt einer der Kehrseiten des „American Dream“.

Die wichtigste Kehrseite dieses in Hollywood allgegenwärtigen Traumes vom sozialen Aufstieg ist, ganz klar, das Verlieren. Der Prototyp einer amerikanischen Loserfamilie ist die Familie Hoover im aktuellen Independent-Hit Little Miss Sunshine – sie kommen über die Runden, können aber ihre Träume nicht verwirklichen. Da kommt eine abenteuerliche Tour im gelben VW-Bus zum Kinder-Schönheitswettbewerb in Kalifornien gerade recht.

Auch in diesen komödiantischen Roadmovies geht es also um Identitätssuche und um Autofahrten als Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Gleichzeitig geht es aber auch um die Ironie dieser Identitätssuche, die gleichzeitige Flucht vor sich selbst, die abgedrehten Charaktere werden dabei als liebenswert dargestellt, aber nicht bierernst genommen. So bieten alle vier Filme unterhaltsame Komik mit Tiefgang.

Text: Martin Koch

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