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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Musikfilme

Filme dieser Reihe:
 Mittwoch  16.05.2007  20:00 Uhr  OV   Yellow Submarine
 Mittwoch  23.05.2007  19:30 Uhr  OV   Tommy
 Mittwoch  13.06.2007  19:45 Uhr  OmU   Wild Zero

Unsere Musik wird euer Leben retten!

Die Geschichte der Rockmusik ist und war auch immer die Geschichte der Gesellschaften, aus denen sie entsprang. Sie war nicht zuerst das musikalische Kunstwerk, sondern begann als Ausdruck dessen, was die Menschen einer Generation oder einer sozialen Schicht bewegte. Dadurch wurde sie ein Sprachrohr für diese Menschen. Und plötzlich entstanden neue Helden, keine Soldaten, keine Politiker, keine Wissenschaftler sondern Musiker, die an vorderster Front ganze Bevölkerungsscharen vertraten, die plötzlich an die Oberfläche der Weltgeschichte strömen wollten. Man durfte glauben, dass in ihrer Musik und somit letztlich in den Musikern selbst der Weg in eine bessere Welt tief verwurzelt lag. Kein Wunder, wenn die Musiker selbst bald anfangen sollten, dies zu glauben.

So kamen die Musiker dazu, sich selbst in Filmen zu inszenieren. Diese Idee sehe ich bei den Beatles begründet. Musik und Film ist natürlich schon ein altes Thema und auch Elvis hatte schon vor den Beatles in zahlreichen Filmen mitgespielt. Aber Elvisfilme waren Musicals, deren Hauptfigur von einem bekannten Star gespielt wurde, worin natürlich auch ihr Erfolg begründet war. Aber die Filme hatten mit Elvis eigentlich nichts zu tun, er wäre ersetzbar gewesen. Aber Beatlesfilme gab es ganz allein deswegen, weil es die Beatles gab. Help und A Hard Day’s Night waren Filme, in denen die Beatles ihr eigenes Leben als Boyband auf die Schippe nahmen, urkomisch und fröhlich. Yellow Submarine schlägt dagegen ganz andere Töne an. Denn hier wird eine (fiktive) Welt von bösen Kriegstreibern überrannt und nur die Beatles können diese Welt retten, indem sie ihr die Liebe und ihre Musik bringen. Eine neue Art der Selbstinszenierung entstand ein gutes Jahrzehnt später mit den Filmen Tommy und Pink Floyd: The Wall (welcher leider zur Zeit keinen Verleiher hat). Zwar tauchen sie nicht wirklich selbst in diesen Filmen auf, aber sie sind die Schöpfer dieser Rockopern und thematisieren die Misere und den Widerstand ihrer eigenen Generation. Und es ist ganz bewusst ihre eigene Musik, die den jeweiligen kranken Helden aus seiner, durch eine verdorbene Gesellschaft entstandene Krankheit ausbrechen lässt.

Solche legendären Bands, zusammen mit einer immer extremer werdenden Kommerzialisierung und einer stärkeren Präsenz der Gesichter durch MTV müssen zu der maßlosen Selbstüberschätzung geführt haben, die Michael Jacksons Moonwalker wohl zugrunde liegt. Michael Jackson hilft hier einigen Straßenkindern gegen die üblen Machenschaften böser Menschen. Zu diesem Zweck verwandelt er sich am Ende sogar in einen riesigen Roboter. Das Ganze ist cool (auch diesen Film konnten wir leider nicht auftreiben), es ist aber auch extrem albern und in Anbetracht von Jacksons weiterer Entwicklung sogar ein bisschen peinlich. Doch dann kamen die Spice Girls und machten alles noch viel alberner und peinlicher. Der Unterschied in Spiceworld (den wir leider auch nicht auftreiben konnten) ist aber, dass die Spice Girls das, was sie da machen, selbst nicht ernst nehmen und damit vielleicht ihre Generation besser vertreten, als diese selbst gestehen möchte.

Wir haben somit einen Punkt erreicht, an dem die Bedeutung von Bands als Sprachrohr ihrer Generation im Film ironisiert worden ist und die Musik nicht mehr Rettung, sondern Unterhaltung ist. Eine letzte Stufe überschreitet in dieser Entwicklung die japanische Band Guitar Wolf mit ihrem genialen Zombiestreifen Wild Zero, in dem sie die Welt mit Hilfe des Rock and Roll und extremer Coolness vor Scharen von Untoten retten. Ernst nehmen kann man das gar nicht, aber dafür ist es auch nicht gedacht.

Text: Jens Cram

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