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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Argentinisches Kino

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  14.06.2007  19:45 Uhr  OmU   Familia Rodante – Argentinisch reisen
 Mittwoch  20.06.2007  19:45 Uhr  OmU   Bombón – eine Geschichte aus Patagonien
 Dienstag  26.06.2007  20:00 Uhr  OmU   Historias mínimas
 Donnerstag  19.07.2007  19:45 Uhr  OmU   Spiel für mich - Tocá para mi

Filme vom Ende der Welt

Argentinisches KinoArgentinien war früher eines der reichsten Länder Südamerikas und sogar der Welt. Spätestens seit der großen Krise von 2001 sind diese Zeiten vorbei und erst jetzt scheint es langsam wieder aufwärts zu gehen. Die Filmwirtschaft des Landes ist aber, zusammen mit der Mexikos, nach wie vor die größte des Kontinents, und natürlich werden nicht nur viele, sondern vor allem auch viele gute Filme produziert – nur dass man davon bei uns nicht allzu viel mitbekommt. Völlig zu Unrecht, finden wir vom aka, und haben deshalb diese Reihe mit äußerst sehenswerten Filmen vom Ende der Welt zusammengestellt – alle im Original mit Untertiteln, versteht sich.

Da wäre zunächst das heitere Roadmovie der 11-köpfigen Familia Rodante aus Buenos Aires, die sich in einem uralten Wohnmobil auf den Weg in die Provinz macht, um der Hochzeit einer Nichte beizuwohnen. Natürlich verläuft die Reise nicht ganz konfliktfrei und bietet nebenbei spannende Einblicke in Familien- und Gesellschaftsverhältnisse im krisengebeutelten Land. Es folgen zwei Filme von Carlos Sorín, die beide in Patagonien angesiedelt sind, dieser endlos ausgedehnten Wüstensteppe, deren Name das Fernweh in der Brust aller Globetrotter weckt. Hier lebt kaum jemand, dessen Geschichte man erzählen könnte. Und doch werden auch in diesem entlegenen Winkel der Erde Filme gedreht – Filme über Menschen des Alltags, die ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge haben und deren Humor so trocken ist wie das Land. So zum Beispiel der arbeitslose Automechaniker Juan, der in Bombon – eine Geschichte aus Patagonien eine reinrassige argentinische Dogge geschenkt bekommt, die sein Leben verändert. Bei Sorín gibt es keine Superhelden, es sind die kleinen Geschichten, die er erzählt – Historias mínimas, um genau zu sein. Geschichten von verliebten Vertretern, von alleinerziehenden Müttern und alten Männern, die durch die endlosen Weiten Patagoniens reisen, um ihrem ganz persönlichen Traum zu folgen oder dem, was sie dafür halten. Geschichten, die unspektakulär und doch unglaublich ergreifend sind, weil man die Leidenschaft und die Echtheit dahinter spürt. Geschichten, die von Patagonien und seinen Menschen handeln.

Abgeschlossen wird die Reihe von Spiel für mich (Tocá para mí), einem großartigen Film über den Schlagzeuger Carlos, der sich nach dem Tod seines Adoptivvaters Genaro auf die Suche nach dessen Wurzeln begibt, Genaros altes Akkordeon im Gepäck. Je weiter er die Punkmusik der Hauptstadt hinter sich lässt, desto offener wird er für die Lebensweise der Landbevölkerung und ihre Folklore. So wird am Ende noch der Spagat zwischen dem pulsierenden Leben in Buenos Aires und dem rauen Alltag in der Pampa geschafft und somit ein Querschnitt der heutigen argentinischen Gesellschaft gezeichnet. Eine Gesellschaft, mit der man sich auf jeden Fall näher beschäftigen sollte – und von Argentinien aus gesehen ist es übrigens Europa, das am Ende der Welt liegt.

Text: Marian Jasencak

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